„Wir verlassen die Papierwelt“

Dr. Thomas Brakmann hat im Oktober seine Arbeit im Kreishaus in Warendorf aufgenommen. Manche dieser Überlegungen ergeben sich aus purer Notwendigkeit, da seit Januar Personendaten nur noch elektronisch erfasst werden – und das Archiv sich zur Aufbewahrung dieser Dokumente verpflichte hat. Aber der 40-jährige Brakmann verfolgt noch eine andere Intention: „Ich möchte das Archiv in der digitalen Welt andocken.“ Auch gehört zu seinem Plan, das Haus als Gedächtnis des Kreises zu etablieren, indem er es breiteren Nutzerschichten zugänglich macht. „Die Welt hat sich verändert, vieles wird vom heimischen PC aus erledigt“, möchte Dr. Brakmann auch elektronisch den Weg ins Archiv ermöglichen. „Das ist ein neuer Anstrich für Verwaltung, dass man nach außen auftritt“, ist sich der neue Kreisarchivar bewusst.

Neuland für Verwaltung

„Dass Daten von hieraus ins Netz gelangen, ist für Verwaltung Neuland – da hat man bisher mehr die Datensicherheit im Blick gehabt.“ Dafür gelte es, die Internetpräsenz der Einrichtung verstärkt auszubauen – nicht nur grob durch Findmittel anzudeuten, was man alles hat, sondern echte Exponate sichtbar zu machen, beispielsweise Plakatsammlungen, zu denen es bisher nur Beschreibungen gab. Das kommt auch denjenigen entgegen, die ansonsten lange Wege in Kauf nehmen müssten, um ins Kreishaus nach Warendorf zu gelangen. Zur Öffnung des Hauses gehört auch die überregionale Vernetzung. So ist das Kreisarchiv Warendorf jetzt auch im Archivportal D zu finden, über das man sich kostenlos, national Zugang zu Archivgut verschaffen kann. Angereichert werden könnte der Datenfundus aus dem Kreisgebiet nach Wunsch von Dr. Brakmann auch durch die Mithilfe von Ehrenamtlichen, die sich beispielsweise um die Erfassung von Muster(ungs)rollen, Meldeunterlagen oder Personenstandsregistern aus dem 19. Jahrhundert kümmern könnten. Dr. Thomas Brakmann kennt aber auch die Grenzen eines digitalen Kreisarchivs. Unterlagen bis etwa 1920 auf diesem Wege nutzbar zu machen, sei nicht das Problem. Für die Zeit danach aber seien Urheberrechte und Datenschutzbestimmungen zu beachten.

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