Yvonne Gebauer überzeugt auf Schloss Loburg
Bild: Ebert
Yvonne Gebauer (FDP) will NRW-weit mit 30 Talentschulen in benachteiligten Stadtteilen das soziale Umfeld stärken.
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 Weniger von Gefühlen, sondern vielmehr von „Notwendigkeiten“ berichtete die FDP-Politikerin, die im Nachgang der Landtagswahl von der schwarz-gelben Koalition zur NRW-Schulministerin ernannt worden war, am Dienstagabend beim Loburger Schlossgespräch in Ostbevern.

Gastgeber im Glück

Die Organisatoren bewiesen ein glückliches Händchen, die Liberale just für den Tag verpflichtet zu haben, an dem diese nachmittags in Düsseldorf den Abgesang des Turbo-Abiturs verkündet hatte. „Ich habe den Stress unterschätzt“, gestand Gebauer ihrem Interviewer, Dr. William Mittendorf (Abteilungsleiter beim Bistum Münster). Ihre Vorgängerin im Amt, Sylvia Lörmann (Grüne), habe sie ehrlich auf das Pensum eingenordet, aber jeden Tag um 5.15 Uhr aus den Federn – „das ist nicht meine Zeit“. Die Ministerin, der nach eigener Aussage vielleicht deshalb der Blick auf die Schulpolitik von außen besonders gut gelingt, weil sie eben keine ausgebildete Pädagogin sei, stellte ihre Vorstellung von Schuleinrichtungen der Zukunft vor, nahm Stellung zu deren finanzpolitischen Folgen und gewährte den Gästen einen Einblick in ihre Handlungsspielräume. „Während meiner bislang kurzen Amtszeit habe ich einen Wandel durchlebt. In der Opposition habe ich geglaubt: Alles muss schnell gehen.“ Heute sei das anders. Allein die Beteiligung der Personalräte erfordere Zeit und Geduld – auch bei ihr.

Inklusion ein Menschenrecht

Gebauer trat dem Verdacht entgegen, Schwarz-Gelb stelle die Inklusion in Schulen infrage. „Der Prozess wird weiterverfolgt. Wir nehmen wegen der fehlenden Qualität und der begrenzten personellen Ressourcen das Tempo heraus“, sagte die 51-Jährige. Der inklusive Unterricht solle künftig verstärkt in Schwerpunktschulen angesiedelt sein. Gebauer: „Inklusion ist ein Menschenrecht.“ Die Quote sage nichts über deren Qualität aus, kritisierte sie die Vorgänger-Landesregierung. Rot-Grün, das nicht zuletzt wegen seiner weder schüler- noch lehrerfreundlichen Schulpolitik abgewählt worden sei, habe zu viel Druck gemacht. „Wir unterbreiten ein attraktives Angebot“, sagte Gebauer. Gegenüber dem zumeist beruflich mit Schulthemen zugewandten Publikum, lieferte Gebauer in Schloss Loburg die Schlagworte „Schwerpunkt- und Talentschulen“ und „Förderschulzweige in Regelschulen“.

Verbindlicher Grundwortschatz

Ruhig und kompetent warb Yvonne Gebauer für die Digitalisierung im Bildungssystem: „Die Zeiten, in denen die Lehrer mehr Schüler der Schüler sind als umgekehrt, und in denen der Overhead-Projektor das einzige digitale Medium einer Schule ist, müssen schnell vorbei sein.“ Mit der Kölnerin will das Land wieder bessere Bildung, um in vergleichenden Ländertests bestehen zu können. „Rechnen, schreiben, lesen: Diese Kernkompetenzen werden wieder gestärkt“, versprach Gebauer. Und: „Diese Landesregierung plädiert für einen Grundwortschatz – einen verbindlichen!“ Bildung ist für die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte Gebauer ein Kernthema, das auch Auswirkungen auf die Gestaltung der Gesellschaft hat. „Eine intakte Schule kann in einem runtergekommen Stadtteil Wunder bewirken“, konstatierte Gebauer, die sich in der abschließenden Fragerunde auch den Luxus leistete, eine Antwort schuldig zu bleiben. Damit hinterließ sie bei den Gästen den sympathischen Eindruck, dass Ministerinnen nicht immer alles wissen. Ein gutes Gefühl.

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