350 Bürger protestieren gegen die AfD
Bild: Detlef Peter Jotzeit

Rund 350 Ahlener haben auf dem Rathausvorplatz gegen die AfD-Veranstaltung demonstriert.

Bild: Detlef Peter Jotzeit

Dabei hatte es zunächst nicht nach einer so großen Beteiligung ausgesehen. Reiner Jenkel, der anderthalb Stunden vor Beginn der Protestaktion zusammen mit Werner Danzer noch die Bühnenelemente vom Bürgerzentrum abgeholt hatte, ließ etwas skeptisch seinen Blick zum wolkenverhangenen Himmel schweifen. Nieselregen und Temperaturen um die 7 Grad – alles andere als ideale Bedingungen für eine Demo.

Doch kaum war die Bühne für die Redner und die sechsköpfige Band „Soul Food Selection“ aus Ennigerloh aufgebaut, strömten die Menschen herbei. Erst einige Hände voll, dann mehr und mehr. Dabei fanden nicht nur Ahlener den Weg auf den Rathausvorplatz, darunter Bürgermeister Dr. Alexander Berger und Ex-Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, sondern auch Bürger aus Beckum, Warendorf und Oelde. Fahnen und Regenschirme gehörten genauso mit dazu wie Banner und Plakate, auf denen „Gemeinsam mehr Nazis stoppen“ oder „Flüchtlinge herzlich willkommen“ zu lesen war.

Die Polizei war auf dem Vorplatz des Ahlener Rathauses präsent, hielt sich bei der Protestaktion ganz bewusst im Hintergrund. Alles blieb laut Polizei-Pressesprecherin Susanne Dirkorte ruhig.
Mit Hinweis auf die Terroranschläge in Belgien rief Veranstaltungsmoderator Sebastian Richter zu einer Schweigeminute auf. Dem trug auch die Band „Soul Food Selection“ Rechnung, die nach eigenem Bekunden sonst mit mehr Schwung beginnt.

Scharfe Kritik übte Demo-Teilnehmerin Anne Bussmann an der AfD. „Deren Ausländerfeindlichkeit geht gar nicht“, merkte sie an. Wenig Verständnis zeigte sie auch für deren Wähler und Sympathisanten. „Die meisten wissen gar nicht, was die Partei überhaupt will“, wetterte sie.

Stellung beziehen, war für Hermann Wetterkamp und seine Caritas-Kolleginnen Christiane Ratermann und Birgit Marquardt wichtig. Sascha Sasek, seit 13 Jahren Mitarbeiter der Freckenhorster Werkstätten, kritisierte AfD–Aussagen zu behinderten Menschen. „Das ist nicht aktzeptabel“, sagte er. Genauso wie die Ausländerfeindlichkeit der AfD.

Ins gleiche Horn stieß Durmus Tüney. „Ich bin stolz, dass so viele Ahlener gegen die AfD Flagge zeigen.“ Das zeuge von großem Zusammenhalt in der Bevölkerung. Und nur so könnten Probleme wirklich gelöst werden.

Ahlen macht mobil gegen Rechtspopulismus

Ahlen (dw) - Ahlen hat am Dienstagabend eindrucksvoll Flagge gezeigt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus. Damit bewiesen die Leute, dass ihnen nicht egal sei, was in Ahlen passiere, betonte der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup (Sendenhorst). Mit den Anschlägen von Brüssel habe der Terrorismus am Dienstag seine „üble Fratze gezeigt“. Doch Europa dürfe sich nicht spalten lassen. „Wir müssen Mauern einreißen für die Völkerverständigung.“

Demokratie brauche Demokraten, rief Daldrup den Ahlenern zu: „Das Land ist es wert, sich einzusetzen.“ Daldrup forderte auf, Leute, die sich ausgegrenzt fühlten, mitzunehmen. „Wir brauchen mehr Gerechtigkeit.“

Regen und niedrige Temperaturen hielten die Bürger nicht ab, Flagge gegen Rechtspopulismus zu zeigen.
Der Wahlerfolg der AfD bei den drei Landtagswahlen habe sie erschreckt, gab die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass (Sendenhorst) zu. Trotzdem müsse man nicht die Positionen der AfD gutheißen. Vielmehr solle man Rechtspopulisten Antworten geben. „Wir Demokraten müssen jetzt zusammenstehen.“ Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Er wolle die Antworten, die die AfD auf Probleme habe, nicht akzeptieren, sagte Sebastian Richter, der als Moderator durch den Abend führte. Aufklären und entlarven laute jetzt die Maxime.

Dietmar Zöller von Innosozial meinte, dass der soziale Verband für Integration stehe. Schon vor fünf Jahren habe man gegen Thilo Sarrazin demonstriert. Und in diesen fünf Jahren sei vieles nicht besser geworden.

„Flüchtlinge sind Menschen, die uns brauchen“, unterstrich Sabine Knauer (Förderverein für Flüchtlinge).

Wiegand Busse (Evangelische Männerarbeit) erinnerte daran, dass viele ältere Bürger einst auch als Flüchtlinge nach Ahlen gekommen seien. „Die wissen, was es heißt, Flüchtling zu sein.“

Eigentlich habe die Facebook-Gruppe „Ahlener helfen den Flüchtlingen“ unpolitisch bleiben wollen, betonten Lisa Waltemathe und Isabel Merkens. Doch der Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen habe sie erschreckt.

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 23. März.

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