Ahlener stimmen für Rathaus-Neubau
Bild: Gösmann
Ab 18 Uhr wurden am Sonntagabend auch im Wahllokal im Ahlener Rathaus-Foyer die Stimmen zum Bürgerentscheid ausgezählt. Das Bild zeigt (v. l.) die Wahlhelferinnen Susanne Michalczik, Stephanie Gust und Klaudia Froede
Bild: Gösmann

Ahlens Bürgermeister Dr. Alexander Berger reichte den Gegnern eines Neubaus in einem anschließenden Statement die Hand zur Versöhnung: „Ich bin erleichtert, aber es ist kein Grund zu jubeln.“ Die hohe Wahlbeteiligung sei Ausdruck gelebter Demokratie. Berger lud alle ein, sich an der Planung für das Neubauvorhaben zu beteiligen. 

Auseinandersetzung über viele Wochen

Über viele Wochen hatte die Auseinandersetzung um die Zukunft des Rathauses die Stadtgesellschaft gespalten. Das 1977 in Betrieb genommene Rathaus des Düsseldorfer Architektenpaars Brigitte und Christoph Parade hatte bereits kurz nach Bezug bauliche Mängel erkennen lassen, weil es durchregnete. Die wiederholt geplante Sanierung der Glasfassade wurde aus Kostengründen jedoch immer wieder aufgeschoben. 

Nachdem Umzugspläne in die Arbeitsagentur 2013 im letzten Moment gescheitert waren, entschied sich der Rat 2019 zu einem Neubau. Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte zuvor das Ansinnen der Denkmalschützer im Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das dem Brutalismus zugerechnete Gebäude wie andere Rathaus auch aus dieser Zeit unter Denkmalschutz zu stellen, über einen Ministerentscheid abgewiesen.

Grüne wollten dezentrale Lösung

Gegen die Neubaupläne von Rathaus und Stadthalle auf dem Areal der bisherigen Parkplätze formierte sich Widerstand aus der Bürgerschaft, der Ahlener Architekten, von Kaufleuten und der Bürgerlichen Mitte (BMA), einer Wählergemeinschaft. Die Grünen befürworteten eine dezentrale Lösung und sprachen sich sowohl gegen eine Sanierung als auch gegen einen Neubau aus.

Die Ratsfraktionen von CDU, SPD, Freien Demokraten, Freien Wählern und Linken, die die Neubaupläne unterstützten, zeigten sich mit dem Ausgang zufrieden. Nach Auffassung der Grünen und der BMA hätte die Spaltung der Bürgerschaft vermieden werden können, wenn der Rat die Entscheidung von vornherein auf die Bürger übertragen hätte. 

Neubaukosten mit 60 Millionen Euro veranschlagt

Die Kosten für den Neubau von Rathaus und Stadthalle sind mit knapp 60 Millionen Euro veranschlagt worden. Zunächst soll das neue Stadthaus errichtet werden, dann das Rathaus abgerissen und in einem weiteren Schritt das neue Bürgerforum mit Stadthalle und möglichst mit Stadtbibliothek in Angriff genommen werden.

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