Ahlenerin im Armenviertel Bogotás
Nach ihrer Ankunft in Kolumbien hat die Ahlener Abiturientin Petra Schöler einige Tage in einem, On-Arrival-Camp verbracht. Dabei hat sie viel über Land und Leute erfahren sowie Sehenswürdigkeiten wie den „Monserrate“ (hoher Berg mit Kirche) kennen gelernt.

Vielmehr will sich die junge Ahlenerin, die an der Fritz-Winter-Gesamtschule ihr Abitur gemacht hat, ein Jahr lang für Kinder einsetzen, die zum Teil in bitterer Armut in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá leben. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Stiftung „Gota de Leche“ (zu deutsch: Milchtropfen), die sich für die Förderung von sozial und gesundheitlich gefährdeten Minderjährigen einsetzt. Hier ihre ersten Eindrücke:

„Die ersten Tage habe ich mit 20 weiteren Freiwilligen im On-Arrival-Camp verbracht. Dabei haben wir viel über Land und Leute erfahren und Sehenswürdigkeiten wie den Monserrate (hoher Berg mit Kirche) und das Museo Botero besichtigt. Botero ist einer der bekanntesten Künstler hier, gebürtig aus Medellín, der Gemälde und Skulpturen von fülligen Menschen macht.

Zudem gab es erste Eindrücke von der Stadt und dem kolumbianischen Essen. Als Grundlage gibt es immer Reis mit Fleisch, Hühnchen oder Fisch. Kleine Besonderheit: Hier zählt Hühnchen nicht zu Fleisch. Wenn man also etwas ohne Fleisch bestellt, ist trotzdem Hühnchen darin. Für mich ist das nicht optimal, da ich Vegetarierin bin. Aber Gott sei Dank hab ich das schnell verstanden.

Beliebt sind leckere Früchte und Säfte. So etwas findet man in Deutschland, und ich glaube in ganz Europa nicht: Mango-, Himbeer-, Erdbeer-, Maracuja-, Ananas- oder Lulosaft, entweder mit Wasser oder Milch verdünnt, und „Aromatica“, ein Fruchttee, bei dem Früchte und Kräuter mit heißem Wasser übergossen werden. Die Schokolade hier ist schrecklich. Die guten Kakaobohnen sowie der Kaffee werden exportiert, sodass für die Kolumbianer nur der schlechte Rest bleibt. Und das schmeckt man.

Freiwilige Helfer bauen Häuser für bedürftige Familien

Weitere Eindrücke sind, dass zu mindest Bogotá laut und dreckig ist; nicht nur die Straßen, sondern auch die Luft. Also laufen viele Leute mit einem Mundschutz oder (so wie ich) mit einem Schal vor dem Mund auf der Straße. In den richtig reichen Gegenden ist es sauber, und es fahren kaum Autos. Das kommt daher, dass es „Estratos“ gibt (so etwas wie Steuerklassen). Leute, die im „Estrato 6“ wohnen, haben viel Geld und müssen mehr Steuern zahlen als Leute, die im „Estrato 1“ wohnen. Im „Estrato 1 und 2“ leben die sehr armen Leute, im „Estrato 3 und 4“ der Mittelstand und im „Estrato 5 und 6“ die sehr Reichen. Ich wohne mit meiner Familie im „Estrato 5“.

Aber ich habe auch die ganz armen Leute im tiefen Süden Bogotás besucht. So habe ich über ein Wochenende an einem Hausbauprojekt „Un techo para mi pais – Colombia“ (auf Deutsch: ein Dach für mein Land – Kolumbien) teilgenommen. Für dieses Projekt melden sich viele Freiwillige, zahlen umgerechnet acht Euro für Essen und T-Shirt, fahren gemeinsam in Armenviertel und bauen dort Häuser. Nachts haben wir in einer Schule „um die Ecke“ gewohnt. Diese Erfahrung war super. Die Familie hat sich über das Haus gefreut und uns zum Abschied eine Torte präsentiert. Es ist toll, die strahlenden Gesichter zu sehen und zu wissen, dass eine Familie mehr ein Dach über dem Kopf hat. Der Kindergarten, in dem ich arbeite, heißt „Fundación Gota de Leche“ und befindet sich im Zentrum von Bogotá, das als recht gefährlich gilt. Die Kinder kommen aus armen Familien, in denen körperliche Gewalt an der Tagesordnung ist oder in denen sich die Mütter prostituieren, um ihre Kinder zu versorgen.

 Die Einrichtung bekommt Geld von der Regierung für die Versorgung der Kinder, ansonsten nur von Leuten, die gerne etwas spenden möchten. Ich unterrichte einfaches Englisch. Da die Kinder aus ärmeren Verhältnissen kommen und dort nicht so viel auf Sauberkeit geachtet wird, haben fast alle Läuse. Und die haben sie mir gleich zu Beginn geschenkt. Naja, nun trag ich immer ein „gorro“ (Haarhaube).

In der „Semana Santa“ (Karwoche) hatte ich frei und bin nach Cali gefahren. Dort ist es wirklich schön. Aber Achtung mit Kameras und Ähnlichem. Diese Sachen sind schnell geklaut. Mir hätten sie fast meinen Fotoapparat stibitzt. Aber ich hab gebrüllt und die Räuber sind verschwunden. Mir ist erst hinterher eingefallen, dass sie normalerweise ein Messer und eine Pistole zücken, wenn man ihnen nicht gibt, was sie wollen. Also einfach ein bisschen geben, wenn man überfallen wird. So das war’s fürs Erste. Schöne Grüße aus Bogotá und bis bald.

Wer noch spenden möchte oder weiter Informationen wünscht, kann sich melden: petra_schoeler@web.de.

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