Anlieger-Protest gegen Luxus-Ausbau
Bilder: Jotzeit
Nicht ernst genommen fühlen sich die Anwohner des Marswegs und des angrenzenden Sackgassen-Teilstücks der Sternstraße von der Verwaltung und der Politik.
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Die überwiegende Mehrheit der Nachbarschaft fühlt sich von der Verwaltung und der Politik nicht ernst genommen. Zunächst seien sie nicht rechtzeitig über die Pläne informiert worden. Danach seien ihre Vorschläge und Ideen bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus nicht in die Planung aufgenommen worden, wettern sie. Des Weiteren fehlten jegliche Kostenberechnungen. Mit einem Bürgerantrag versuchen sie nun, das Blatt zu wenden.

„Wir sind nicht gegen den Ausbau der Straße“, unterstreicht Irmgard Korte ausdrücklich, „wir wollen nur keine Luxus-Ausführung.“ Genau die sei aber angesichts der vorgestellten Pläne zu befürchten, sagt die Anwohnerin.

Ein Dorn im Auge ist den Hauseigentümern die vorgesehene Fahrbahneinengung an mehreren Stellen. „Die Temporeduzierung geschieht durch den ruhenden Verkehr“, weist Korte auf die parkenden Autos hin. Als weitere Maßnahme sei aber eine Aufpflasterung akzeptabel, sagt sie.

Auf große Schlaglöcher weisen (v. l.) Theo Krumtünger, Karl-Heinz Neuhaus, Brigitte Günnewig, Brigitte Krumtünger und Wilma Neuhaus im Sackgassen-Bereich der Sternstraße hin.
Kritisiert werden auch die vier geplanten Grünbeete. „Daraus werden schnell Müllhalden“, befürchtet Ulla Molke. Das sieht Irmgard Korte genauso, zumal der Marsweg schon jetzt der „Fußgänger-Highway“ zur Gesamtschule sei. Die Reinigung der Beete bliebe an den Anwohnern hängen, sagt sie. Außerdem ginge durch die Grüninseln zusätzlicher Parkraum verloren, der dringend benötigt werde.

Besondere Sorge bereitet den Nachbarn, dass die vorhandenen Tiefborde durch Hochborde ersetzt und das Regenwasser auf nur eine Straßenseite geleitet werden soll. „Das Wasser kann so bei stärkerem Regen in die Einfahrten und von dort in die Häuser fließen,“ befürchtet Korte. „Das ist doch verrückt“, kommentiert Wilma Neuhaus die Hochbord-Planung. „Das sind für ältere Leute nur Stolpersteine.“ In die gleiche Kerbe schlägt Gisela Schock (83). „Der Marsweg ist mit die einzige Straße, auf der man mit einem Rollator gut gehen kann“, sagt sie. Diese durch Hochborde kaputtzumachen sei daher ein Witz.

Die Anwohner hoffen nun auf ein neues Gespräch mit der Verwaltung. „Wir müssen einen Konsens erzielen“, so Korte, „notfalls mit Hilfe eines Mediators.“

Zitate

„Hier blüht und grünt es überall in den Vorgärten. Da brauchen wir keine Grüninseln auf der Straße.“ „In der Info-Veranstaltung ist uns gesagt worden: Das kommt da hin und fertig.“ Irmgard Korte

„Es ist doch ein Witz, dass die Verwaltung uns noch nicht einmal die genauen Kosten für den geplanten Ausbau mitteilen kann. Wenn ich shoppen gehe, gucke ich auch erst einmal nach, ob ich mir das überhaupt leisten kann.“ Susanne Krumtünger

 „Die Verwaltung will uns wohl für doof verkaufen. Das war keine Informationsveranstaltung. Man hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“ „Wir haben Vorschläge gemacht, um Geld zu sparen. Doch uns hört niemand zu.“ „Die flachen Bürgersteige sind erst vor zehn Jahren gemacht worden. Sie sollten so bleiben.“ Ulla Molke

„Im meinem Alter treffen einen solche Kosten besonders hart.“ Irmgard Kriska (86) „Ich habe immer ohne Schulden gelebt. Aber wo soll ich das Geld hernehmen?“ Gisela Schock (83)

„An sich ist es unverschämt, dass erst nach Jahrzehnten über den Straßenausbau nachgedacht wird, nur weil die Abwasserkanäle gemacht werden müssen.“ Walter Wolff

„1975 haben wir 6000 D-Mark Anliegerkosten bezahlt. Seitdem ist nichts gemacht worden, obwohl ich mehrfach beim Bürgermeister war. Und jetzt sollen wir richtig zu Kasse gebeten werden.“ Wilma Neuhaus

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