Apotheker: Kritik an Internetkonkurrenz
Über die möglichen Auswirkungen des Urteils des Europäischen Gerichtshofs sprachen Martin Wülfing (Kreisvertrauensapotheker Südkreis Warendorf), Annette Watermann-Krass (MdL), Bernhard Daldrup (MdB) und Lena Heckmann (Apothekerkammer Westfalen-Lippe) in der SPD-Zentrale in Ahlen.

Hintergrund des Austausches mit den beiden SPD-Politikern war das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von Oktober 2016, nach dem ausländische Versandapotheken Boni auf Rezepte gewähren dürfen. Dieses ist für die deutschen Apotheken vor Ort weiterhin ausgeschlossen. „Ich möchte die Versorgung und Beratung der Patienten sicherstellen und die Situation der Apotheker im Kreis Warendorf verdeutlichen“, betonte der Neubeckumer Apotheker. Den Apotheken vor Ort werde es schwer fallen, mit dem Wegfall der Preisbindung rezeptpflichtiger Medikamente für ausländische Versandapotheken konkurrenzfähig zu bleiben, heißt es in einer Mitteilung. So gerieten insbesondere ländliche Apotheken und solche in strukturschwachen Stadtrandlagen in wirtschaftliche Schieflage.

„Die flächendeckende Arzneimittelversorgung ist gefährdet“, verdeutlichte Wülfing. Ausländische Versandapotheken müssten sich nicht mehr an die deutsche Arzneimittelpreisbindung halten. Die Apotheken vor Ort übernähmen aber zahlreiche, nicht profitable Gemeinwohlpflichten: „Zu jeder Tages- und Nachtzeit halten wir Notfall- und Antigiftmedikamente vorrätig, stellen aufwendige Rezepturen her und die Versorgung rund um die Uhr durch den Notdienst sicher“, so Wülfing. „Das übernehmen die Versender aus dem Ausland nicht.“

Watermann-Krass und Daldrup sicherten zu: „Die Apotheker haben unsere Solidarität, wenn es darum geht, die lokalen Versorgungsstrukturen zu sichern. Aber auch die Apotheken sollten sich dem zunehmenden Wettbewerb stellen.“ Der Forderung der Apothekerschaft, den Versand mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verbieten, was in 21 von 28 EU-Staaten der Fall ist, stünden beide skeptisch gegenüber. Es sei schwer vorstellbar, dass eine solche Haltung dauerhaft durchzuhalten sei.

Daldrup erklärte, dass die SPD-Bundestagsfraktion das Thema weiter diskutiere und er die Bedenken der Apotheker dort vortragen werde. Es sei für ihn nachvollziehbar, dass bei einem Verbot des Internethandels es nicht zu Lasten der chronisch Kranken gehen dürfe, die heute zu einem Teil deutliche Einsparungen durch das Internet erreichten.

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