Auch nach 30 Jahren noch Frauenpower
 Damals im Saal Sandgathe, am Sonntag in der S
Damals im Saal Sandgathe, am Sonntag in der S
Damals im Saal Sandgathe, am Sonntag in der S

Corona? Bei diesem Begriff wird Simone Fleck hellhörig. „Darüber wollte ich eigentlich gar nicht sprechen“, juxt sie. Wir erreichen sie zum verabredeten Telefoninterview im frühen Vormittag. Aber auch um diese Zeit ist sie schon hellwach, anders als viele Tastentiger der journalistischen Zunft.

Wenn nicht Corona, gibt es noch ein anderes Thema, das die Ahlener bewegt, wenn sie am Sonntag zum Weltfrauentag um 18 Uhr in der Stadthalle auftritt. Dass zeitgleich zu ihrer Show nur 50 Meter weiter im Ratsaal über die Zukunft von Rathaus und Stadthalle entschieden wird, wenn der Bürgerentscheid ausgezählt wird, nimmt sie ehrlich erstaunt zur Kenntnis. „Darüber muss ich mich noch unbedingt informieren“, appelliert sie an sich selbst und will mehr erfahren.

Botschaften ohne Holzhammer

Ihr aktuelles Programm trägt den unverfänglichen Titel „Lieber ohne Mann als gar kein Mann“. „Politik streife ich nur am Rande“, verrät sie. Deshalb ist sie keineswegs unpolitisch. Sie nimmt nur ungern den Holzhammer zur Hand, um ihre Botschaften an Frau und Mann zu bringen. Zum Beispiel, wenn sie Oma Walli – eine ihrer Bühnenfiguren – über zu viele Ausländer in ihrer geliebten Heimat schwadronieren lässt und sich dann von ihrer philippinischen Pflegekraft sagen lassen muss, dass sie sich jetzt gefälligst um ihren eigenen Kram zu kümmern hat.

Und wo bleibt die Frauenpower zum Weltfrauentag? Schließlich hat sie vor 30 Jahren noch in der ersten Reihe bei Demos gestanden und gegen die Übermacht der Männer und ihren Chauvinismus protestiert. Auch frau ist ruhiger geworden, was nicht heißt, dass ihr Kämpferherz kleiner geworden wäre. Die Botschaft ist dieselbe, nur wird sie heute subtiler verpackt.

30 Jahre auf der Bühne. Das sind auch mindestens 15 Programme, wenn sie alle zwei Jahre mit einer neuen Show herauskommt. „Es sind noch mehr“, unterbricht sie, denn im Anfang ihres beruflichen Lebens als Kabarettistin war die Taktfolge noch kürzer und zwischendurch gab es auch schon mal so etwas wie ein „Best of“.

Und doch noch Corona

Und dann kommt das Gespräch doch noch einmal auf Corona. „Natürlich haben wir alle Angst“, bezieht sie sich bei dieser Feststellung selbst ein. Gleichwohl findet sie, dass im Land gerade „ein bisschen viel Panik“ herrscht, wenn sie hört, dass die Menschen zum Beispiel Klopapier hamstern. Aber zum Lachen ist es auch nicht, wenn Kindergärten oder Schulen vorsorglich geschlossen oder Menschen unter Quarantäne gestellt werden.

Wo findet sie ihre Ideen? „Überall“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Beim Einkaufen, wenn sie natürlich rein zufällig Unterhaltungen mitbekommt, skurrile Situationen. Manchmal wundert sie sich auch über ihr eigenes Verhalten und entdeckt darin Muster, die dann in ihrem Programm in abgewandelter Form wieder auftauchen.

Wie das Publikum tickt

Simone Fleck gehört zu den Künstlerinnen, die den Kontakt zu den Besuchern suchen. „Ich mische mich gern unters Publikum und ehe ich mich in den Pausen langweile, signiere ich lieber meine Bücher“, klärt sie auf.

Bei ihren Exkursionen im Publikum entwickelt sie auch einen Sensus, wie es tickt. Ihren ersten Auftritt in Ahlen im Saal Sandgathe hat sie in guter Erinnerung. Und wenn der Rahmen stimmt und die Stimmung gut ist, improvisiert sie auch gern.

Sie selbst ist übrigens lieber mit Mann unterwegs, bevorzugt dem eigenen. „Der kümmert sich um die Technik und um das ganze Drum und Dran“, gewährt sie Einblick in ihr Künstlerleben. Zwei mal 50 Minuten geballte Simone Fleck und auf Wunsch auch gern mehr, wenn alle nach Zugabe rufen.

Ach so: Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

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