Bewährungsstrafe für brutale Racheaktion

Nach einem krassen Fall von Selbstjustiz ist eine Mutter aus Ahlen am Mittwoch vor dem Landgericht Münster zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Das Drama begann im Frühjahr 2011. Die 33-Jährige hatte über das Internet einen neuen Mann kennengelernt. Es dauerte dann auch nicht lange, bis sie ihm voll und ganz vertraute. Sie schloss einen Handyvertrag für ihn ab, lieh ihm immer wieder Geld – insgesamt rund 5000 Euro. Auf die Rückzahlung wartet sie bis heute. Am Ende war ihre eigene finanzielle Not so groß, dass sie nicht einmal mehr die Miete bezahlen konnte.

In dieser Situation wandte sie sich an zwei Bekannte, die fürchterlich Rache nahmen – und dabei gleich 10 000 Euro zurück forderten. Auch sie wurden nun endgültig verurteilt. Ihre Strafen: zwölf beziehungsweise 15 Monate Haft auf Bewährung. Es war der Abend des 28. September 2011, als die Situation eskalierte. Als das spätere Opfer völlig ahnungslos die Ahlener Wohnung der Angeklagten betrat, saß er in der Falle. Der 27-Jährige wurde mit dem Tode bedroht, dann traf ihn ein Schlag ins Gesicht.

Der 27-Jährige kann bis heute nicht wieder vernünftig atmen. „Ich bekomme keine Luft durch die Nase“, sagte er als Zeuge vor dem Landgericht Münster. „Deshalb muss ich jetzt noch einmal operiert werden.“ Die Ärzte hatten damals eine Gehirnerschütterung festgestellt. Außerdem waren Augenhöhle, Jochbein und Nase gebrochen. Dass die Verletzungen so schlimm ausgefallen sind, hat auch diesen Grund: Der Schläger ist Kampfsportler.

Im Prozess haben die Angeklagten die Racheaktion zugegeben und von einem Fehler gesprochen. Es war bereits das zweite Mal, dass die Gewaltaktion die Gerichte beschäftigt hat. In einem ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Ahlen waren die Strafen noch etwas höher ausgefallen. Damals war man noch davon ausgegangen, dass das Opfer nicht nur geschlagen wurde, sondern auch noch eingesperrt worden war. Das ließ sich in zweiter Instanz jedoch nicht mehr mit Sicherheit beweisen.

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