Brachliegende Gräber nehmen zu
Bild: Kessing
Immer mehr Erdgräber werden vor Ablauf der Ruhezeit auch auf dem Ahlener Westfriedhof aufgegeben und eingeebnet, zum einen, weil die Angehörigen auswärts wohnen und sich nicht um die Grabpflege kümmern können, zum anderen, weil die Zahl der Urnenbestattungen stetig steigt.
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Waren es 2000 noch 363 Erdbestattungen und 177 Urnenbestattungen, hat sich das Verhältnis in den vergangenen zehn Jahren umgekehrt. 2011 registrierte die Stadtverwaltung 171 Erd- und 360 Urnenbestattungen. Tendenz weiter steigend, berichtet der zuständige Verwaltungsmitarbeiter Peter Schneider.

Der Anstieg der Feuerbestattungen führt auf Ahlens Friedhöfen dazu, dass die Urnengräber zunehmen und die Wahlgrabstätten für Erdbeisetzungen nach Ablauf der Ruhezeit von 30 Jahren und manchmal sogar früher aufgegeben werden.

Laut Statistik der Stadtverwaltung gab es im Jahr 2011 113 Aufgaben auf allen Friedhöfen (Südfriedhof 32; Westfriedhof 36; Ostfriedhof 39; Dolberg 6). Gemessen an der Zahl der Grabstellen sei dies jedoch ein sehr geringer Prozentsatz, meint Schneider.

Grund für eine vorzeitige Grabaufgabe sei oft, dass die Angehörigen nicht in Ahlen lebten. Laut Friedhofssatzung müssen Grabstätten hergerichtet und dauernd instand gehalten werden. Geschehe dies nicht, gebe es Beschwerden von Angehörigen, die Nachbargräber betreuten.

„Wird eine Grabstätte nicht ordnungsgemäß hergerichtet oder gepflegt, hat der jeweils Verantwortliche auf schriftliche Aufforderung der Stadt Ahlen die Grabstätte innerhalb einer angemessenen Frist in Ordnung zu bringen. Wird die Aufforderung nicht befolgt, kann das Recht der Nutzung der Grabstelle entschädigungslos eingezogen und die Grabstelle entschädigungslos abgeräumt, eingeebnet und eingesät werden, sofern die Friedhofsverwaltung den jeweils Verantwortlichen schriftlich unter Fristsetzung hierauf hingewiesen hat.“ Bei einer vorzeitigen Aufgabe eines Grabes durch freiwillige Erklärung gegenüber der Stadt Ahlen trägt der Verantwortliche die Kosten der Pflege des eingesäten Grabes bis zum Ablauf der Nutzungsdauer der Grabstelle. „Die Totenruhe muss gewahrt werden“, verweist Peter Schneider auf die Einhaltung der Menschenwürde bis über den Tod hinaus. Bei Ablauf der 30-jährigen Ruhezeit erlischt das Nutzungsrecht, kann aber wiedererworben werden.

Mit jeder neuen Beisetzung ist das Nutzungsrecht des gesamten Wahlgrabes auf die Ruhefrist der letzten Beisetzung zu verlängern. Ein Doppelgrab koste zurzeit 1700 Euro, ein Urnengrab, in dem fünf Feuerbestattungen möglich seien, ist mit 741 Euro vergleichsweise günstiger. Und auch der Pflegeaufwand für die Angehörigen ist geringer.

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