CDU lässt das Freibier sprudeln
Bild: Lange
Wie den entscheidenden Treffer im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft bejubelten die Ahlener Christdemokraten die ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl, bei denen die CDU vorn lag.
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Schon die erste Hochrechnung löst im „Geisthövel 800 Grad“ einen Jubel aus, als ob Deutschland gerade das entscheidende Tor im Finale der Fußballweltmeisterschaft erzielt hätte. Begeistert recken die Christdemokraten, die sich allesamt einen „Team Rehbaum“-Button ans Revers geheftet haben, die Hände in die Luft: Ihre Partei liegt vor der SPD. „Die erste Runde Bier geht auf den CDU-Stadtverband“, ruft Vorsitzender Peter Lehmann.

„Armin, wir lieben Dich“, schallt es durch das Restaurant, als Armin Laschet für eine erste Stellungnahme vor die Mikrofone tritt. „Der Schulz-Zug fährt rückwärts“, heißt es, als die ARD enttäuschte Sozialdemokraten zeigt. Die Rücktrittserklärung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft um 18.20 Uhr hingegen nimmt die CDU ohne Häme auf – zumindest fast. „Und morgen tritt Martin Schulz zurück“, kommentiert Ralf Marciniak süffisant die dritte sich anbahnende Schlappe der SPD seit Bekanntwerden von Schulz’ Kanzlerkandidatur.

Betretene Gesichter bei den Ahlener Genossen mit Blick auf die erste Hochrechnung. Das Bild zeigt (v. l.) Dennis Starke, Andrea Jaunich Steven Scholle und Sebastian Richter.

Ein langgezogenes „Oh“ ist im Stadthallenrestaurant zu hören, als die wenigen Genossen, die sich um 18 Uhr dort eingefunden haben, die erste Hochrechnung auf dem Bildschirm verfolgen. Danach betretenes Schweigen und Kopfschütteln. Stadtverbandsvorsitzender Steven Scholle, der sich kurz zuvor noch gewünscht hat, dass die SPD stärkste Kraft im Land bleibt und auf jeden Fall mehr als 30 Prozent der Stimmen erringt, kann es nicht fassen. Geschockt sei er nicht, sagt er, aber betrübt.

Derweil sieht sein Stellvertreter Sebastian Richter seine Befürchtungen bestätigt. „Die Nebelkerzen der Opposition haben Wirkung gezeigt“, stellt er fest. Für die Niederlage seiner Partei habe er keine Erklärung.

Da kommt Freude auf: Die Ahlener Liberalen feierten im Café Stubs und verfolgten dort die Bekanntgabe der Ergebnisse zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Im Café Stubs kennt der Jubel indes keine Grenzen. „Mehr als zehn Prozent – das ist ein wahnsinniger Erfolg“, sagt FDP-Chef Eric Fellmann, den auch das Abschneiden der CDU als stärkste Kraft freut. Sein Stellvertreter Norbert Fleischer sieht dahinter den Wunsch zu einem Politikwechsel in NRW. „Wenn die Regierungsparteien 14 Prozent verlieren, ist das eindeutig. Sie sind abgewählt“, stellt er fest. Er hofft, dass es nun für CDU und FDP zur Machtübernahme im Land reiche. Froh sei er, dass auf jeden Fall mit Markus Diekhoff wieder ein Liberaler aus dem Kreis Warendorf in den Landtag einziehen werde.

Grünen: Fukushima-Effekt ist verpufft

Weltuntergangstimmung herrscht nach den herben Verlusten bei den Grünen nicht. „Wir haben so ein Ergebnis erwartet“, räumt Dieter Bröer von den Ahlener Grünen ein. Laut den Prognosen sei klar gewesen, dass seine Partei nur mit Ach und Krach erneut den Sprung in den Landtag schaffen werde. Das zweistellige Ergebnis vor fünf Jahren (11,3 Prozent) sei von der Nuklearkatastrophe in Fukushima geprägt gewesen. Und dieser Effekt sei verpufft.

Abgestraft worden sei seine Partei zudem für die Schulpolitik mit Blick auf G 8. Die Besonderheit dabei: Das Thema sei den Grünen von der damaligen CDU-Landesregierung aufgedrückt worden. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann habe sich nicht klar positioniert. „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“, sagt Bröer.

Darüber hinaus wundert er sich, dass die Wähler so schnell vergessen würden. „Der Stau von heute auf den Straßen in NRW ist die verfehlte Verkehrspolitik der CDU von damals“, wirft er ein. Es sei doch klar, dass so etwas nicht von heute auf morgen korrigiert werden könne.

Linken: Wundenlecken im Parteibüro

„Wir sitzen in unserem Parteibüro in Ahlen und lecken unsere Wunden“, kommentiert Linken-Chef Reiner Jenkel den Wahlabend. Für den 67-Jährigen wiegt das Ergebnis gleich doppelt schwer, schließlich ist Jenkel Linken-Landtagskandidat für den Wahlkreis Warendorf II gewesen. „Mein Ziel lag oberhalb der Fünf-Prozent-Marke. Das habe ich leider verfehlt.“

Sein Vorsprung gegenüber den Zweitstimmen der Linken (4,20 Prozent gegenüber 3,53 Prozent) sei kein Trost. „Der Partei bringt das gar nichts“, sagt Jenkel. Nun sei er gespannt, wie sich die Landesregierung in NRW künftig zusammensetze.

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