„DDR war Diktatur und Unrechtsstaat“
Drei Organisationen ermöglichten den Besuch der Zeitzeugin aus Berlin. Das Bild zeigt v.l. Wolfgang Schroer (Rotary Club Ahlen), Rudolf Pollex (Bürgerstiftung Ahlen), Birgit Siegmann, Christian Tripp (Lions-Club Beckum-Ahlen) und Franz Tripp (Bürgerstiftung Ahlen). Bild: Kunst

Den Kontakt zur Referentin stellte Rudolf Pollex her, den sie an ihrem Arbeitsplatz so überzeugte, dass er ihren Auftritt zusammen mit der Bürgerstiftung Ahlen, dem Lions-Club Beckum-Ahlen und dem Rotary-Club Ahlen organisierte. Die kommissarische Schulleiterin Dr. Anne Giebel dankte den Sponsoren für die Möglichkeit, Zeitgeschichte aus erster Hand erleben zu können.

Die gebürtige Thüringerin überraschte mit fränkischem Akzent, den sie ihrem Geburtsort im Landkreis Sonneberg verdankt. Als Geschichtslehrerin seit 1985 im Schuldienst tätig, verlor sie 1998 ihre Anstellung. „Das war die Folge der Empörung meiner Kollegen über das Bild, das ich über die DDR gezeichnet habe“, sagte sie. Seit 2003 arbeitet sie als selbstständige Referentin im Haus 1 an der Normannenstraße, dem ehemaligen Mielke-Ministerium für Staatssicherheit. „Ich möchte verklärenden Sätzen und nostalgischen Gefühlen etwas entgegensetzen“, hob sie mehrfach hervor. „Die DDR war eine Diktatur und ein Unrechtsstaat, die SED eine hierarchische Partei“, betonte sie und belegte ihre Aussage mit Beispielen.

Die 54-Jährige beschrieb anhand von Zahlen, Bildern und Anekdoten aus eigener Erinnerung in flüssigem und unterhaltsamem Redestil die Lebensbedingungen für die DDR-Bürger. Abkürzung für „Der Doofe Rest – das waren doch die, die nicht gegangen waren“, sagte sie. Die, die geblieben waren, wurden lückenlos überwacht. „In 15 000 Räumen haben mindestens 18 000 hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi gearbeitet“, informierte sie. Dazu kamen 189 000 sogenannte IM. „Die SED gibt es noch“, sagte sie. Die neue Partei „Die Linke“ wäre für sie nur eine ehrliche Partei, wenn sie sich aufgelöst und neu angefangen hätte.

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