Danzer: Nicht reden, sondern mit anpacken
Bilder: Jotzeit
Werner Danzer ist ein Multi-Talent und packt an, wo Not am Mann ist. Besonders am Herzen liegt ihm der Förderturm von Schacht I der ehemaligen Zeche Westfalen in Ahlen.
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Dabei macht er um seine Person kein großes Aufsehen. „Ich helfe halt gerne“, sagt er ganz bescheiden. Sein ehrenamtlicher Einsatz geht aber über die Grenzen des normalen Mithelfens weit hinaus. Das wissen zwei heimische Vereine zu schätzen: der Förderverein Fördertürme Ahlen und der Trägerverein Schullandheim Winterberg. In beiden Gruppierungen bringt sich Danzer mit viel Engagement und guten Kontakten ein.

Ein Paradebeispiel ist der Förderturm Schacht I auf dem ehemaligen Zechengelände. Nach der Schließung des Pütts war der stählerne Turm in einen Dornröschenschlaf versunken und rostete vor sich hin. Als sich einige Gewerkschafter den Förderturm mal von oben ansehen wollten, stellte sich heraus, dass eine Besteigung aus Sicherheitsgründen nicht möglich war. „Die Geländer waren zu niedrig“, erzählt Danzer. Und eine Auftragsvergabe an eine Firma wäre zu teuer geworden.

Zusammen mit dem Vorsitzenden Christian Tripp sei er aktiv geworden. „Christian hat das Eisen besorgt, ich habe mich um das Arbeitsteam gekümmert. „Mit zehn Mann haben wir das Geländer erneuert“, erinnert sich Danzer. Rund 600 Arbeitsstunden seien angefallen und 12,5 Tonnen Stahl per Hand transportiert und verarbeitet worden. Seitdem kümmert sich Danzer regelmäßig um den Förderturm. Mal gilt es, den Zaun zu reparieren, mal muss die Überwachungskamera gecheckt oder eine Fahne in 40 Metern Höhe gehisst werden. „Arbeit gibt es immer“, sagt Danzer und lacht.

Mit Gewerkschaftsfreunden hat sich Danzer zudem für das Schullandheim in Winterberg eingesetzt. Mit einer Unterschriftenaktion zum Erhalt des Schullandheims fing alles an. Dann hat er sich gesagt: „Nicht nur reden, sondern mit anpacken“. Gesagt getan. Seitdem ist er regelmäßig vor Ort und hilft mit. „Die einen geben Geld, die anderen Arbeitskraft – und beides ist wichtig.“

Vor kurzem hat Danzer noch den Verein „Jupps Fotoclub“ mitgegründet. Und das nächste Projekt hat er bereits im Auge: Die Rettung des Mannschaftsgangs auf dem ehemaligen Zechengelände, an dem der Zahn der Zeit schon lange nagt.

Emotionaler Lohn wiegt alle Mühen auf

Gebürtig stammt Werner Danzer aus der Nachbarstadt Hamm. Doch sein Herz schlägt für Ahlen. Immerhin hat er von 1981 bis 1998 auf der Zeche Westfalen gearbeitet – zuletzt als Maschinensteiger. Zudem wohnt er seit 2005 mit seiner Ehefrau Gabriele auf einem Bauernhof am Homannsweg. „Ganz ländlich“, sagt er und ergänzt: „Wir fühlen uns da pudelwohl.“

In gut 40 Metern Höhe fühlt sich Werner Danzer auf dem Förderturm von Schacht I der ehemaligen Zeche Westfalen in Ahlen wohl. 
Das gelte auch für seine zweite Heimatstadt Ahlen ganz allgemein, sagt er. Hier lohne es sich zu leben. Daher verstehe er nicht, warum viele Ahlener ihre Stadt schlecht redeten. „Manche sind bekloppt,“ bringt er seine Sichtweise auf den Punkt und verweist auf eine alte Volksweisheit: „Die Speckbirnen beim Nachbarn sind leckerer als die Williams-Christ-Birnen im eigenen Garten.“

Als Beispiel nennt Danzer den Weihnachtsmarkt in Warendorf. „Die Ahlener freuen sich, weil es dort Stockbrot gibt. Nur bei uns auf dem Marktplatz wird der süße Teig nicht geschätzt.“

Darüber hinaus hat er kein Verständnis dafür, dass die Bahnlinie auch nach Jahrzehnten noch ein trennendes Element in der Stadt sei. Das Denken „diesseits und jenseits der Bahn“ dürfe in den Köpfen der Ahlener keinen Platz mehr finden, sagt Danzer und plädiert für ein Miteinander.

„Die Bürger müssen sich mit ihrer Stadt identifizieren und alles positiver sehen“, sagt Danzer und wundert sich. „Auswärtige bestätigen immer wieder, wie schön Ahlen ist“, sagt er.

„Wir sollten daher an einem Strang ziehen und etwas ändern – über kulturellen Grenzen hinweg“, fordert der 64-Jährige zum verstärkten ehrenamtlichen Engagement auf. „Ärmel hoch und die Öffentlichkeit begeistern – das muss die Devise sein“, sagt er. Aus eigener Erfahrung wisse er: „Der emotionale Lohn wiegt alle Mühen auf.“ Es sei einfach schön, wenn beim Sommerfest am Förderturm viele Menschen zusammenkämen und sich dort wohlfühlten. Das sei klasse.

Zur Person

Werner Danzer (64) engagiert sich seit langem ehrenamtlich. Mit Beginn seiner Lehre als Werkzeugmacher bei der Ahlener Firma Linnemann & Schnetzer trat er im Jahr 1968 in Gewerkschaft IG Metall ein. In der Berufsschule war er Schulsprecher. „Das liegt mir wohl im Blut“, sagt er.

In Soest studierte er anschließen Maschinentechnik und war danach bei der Ruhrkohle von 1974 bis 1981 in Bergkamen in der zentralen Ausbildung tätig. Am 1. Dezember 1981 kam er zur Zeche Westfalen nach Ahlen. Zunächst als Maschinensteiger im Tagesbetrieb, anschließend in der Stabstelle – „im Büro“.

Seit Oktober 1974 war Ortsgruppen-Vorsitzender bei den Angestellten (damals noch IGBE). Von 1981 bis 1998 wirkte er aktiv im Betriebsrat der Zeche Westfalen mit, davon sechs Jahre (1992 bis 1998) als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. 1998 verließ Danzer Ahlen, weil die Schließung der Zeche bevorstand. In Recklinghausen half er mit, eine neue Abteilung aufzubauen: die Dienstleistungsabteilung Ingenieurvermessung (DI).

Nach Umstrukturierungen ging Danzer 2005 für ein Jahr in die Dauerkurzarbeit. Es folgten fünf Jahre Anpassung (bis 2011). Seitdem ist er in Altersrente. „Seit 2005 habe ich ganz viel Zeit und bin wieder nach Ahlen gezogen.“ Hier kannte er „Tausend Leute“ und engagierte sich wieder in der Gewerkschaft. Seitdem erstellt er Webseiten, organisiert Veranstaltungen und ist für alles zuständig. „Halt Papa gnädig, der alle Fäden in der Hand hat“, sagt Danzer und schmunzelt

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