Das Jahr gemeistert
Martin Feldhaus
Mitarbeiterin Cornelia Diekneite (l.) und Christiane Busmann blicken auf ein
Martin Feldhaus

Die Kultur einfach so vergessen? Das ist ein Vorwurf, den man Politikern machen mag. Und genau das tut Christiane Busmann. Geschäftsführerin der Schuhfabrik auch, wenn sie unumwunden feststellt, dass sie die Kultur „in der großen Politik“ vermisse. Auf zahlreiche Unterstützer des Bürgerzentrums trifft dieser Vorwurf aber im Lockdown-Jahr 2020 keineswegs zu. „Uns hat sehr positiv überrascht, dass die Menschen die Kultur nicht vergessen haben“, betont Christiane Busmann rückblickend.

So habe es viele treue Besucher gegeben, die auf die Erstattung des Eintrittspreises bei ausgefallenen Veranstaltungen verzichtet oder gar größere Beträge gespendet hätten. Auch die schlichte Nachfrage „Wie geht’s euch?“ sei so ein Zeichen gewesen, dass die Verantwortlichen der Schuhfabrik durch das Jahr 2020 begleitete und das Team stets dazu motivierte, auf neue Herausforderungen immer entsprechende Antworten zu finden.

„Wir möchten einen großen Dank an unsere Unterstützer, Sponsoren und das Publikum bei den Veranstaltungen richten“, sagt Christiane Busmann. Denn diese drei Gruppen waren es, die letztlich dafür sorgten, dass die Einrichtung auch während der Corona-Pandemie stets sichtbar blieb.

So konnte nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ein Sommerkulturprogramm auf die Beine gestellt werden, das trotz ungewöhnlicher Rahmenbedingungen auf eine sehr gute Resonanz stieß. Die Organisatoren erhielten zahlreiche Rückmeldungen, dass das Format auf dem großen Parkplatz auch Vorteile biete: eine größere Aufmerksamkeit für die Musik und ein intensiveres Zuhören als auf der engen Terrasse. Ein Aspekt, den viele Besucher zu schätzen lernten.

Darüber hinaus diente das Open-Air-Programm auch als Plattform für viele regionale Künstler, mit denen die Schuhfabrik schon lange zusammenarbeitet. „Die Solokünstler haben es noch schwerer als wir und konnten wieder auftreten und Geld verdienen“, so Christiane Busmann. Hierdurch sei es zudem gelungen, den Blick füreinander zu behalten.

Weiter ging es mit einem Herbstprogramm im Saal, das Ende Oktober mit einem Konzert von „The Neckbellies“ sein abruptes Ende fand. Eine Situation, in der das Büz-Team den Kopf nicht in den Sand steckte. „Unsere Mitarbeiter haben das Krisenjahr mit einer hohen Motivation gemeistert und nie lange gehadert“, lobt Christiane Busmann. Auch während des zweiten Lockdowns hielten diese das Haus zumindest teilweise geöffnet, etwa für den Mittagstisch zum Abholen.

Anders als gewohnt ist das Bürgerzentrum Schuhfabrik in diesem Jahr am 24. Dezember nicht geöffnet. Ein Umstand, der Christiane Busmann durchaus Kopfschmerzen bereitet. „Ich hoffe, dass alle Ahlener jemanden finden und an den Feiertagen nicht allein sein müssen“, sagt sie. Überhaupt sei es im nächsten Jahr eine immense Aufgabe, „das Miteinander zu stärken“ und Vereinsamung zu vermeiden. Eine Aufgabe, bei der auch die Kultur helfen kann, sofern sie nicht vergessen wird.

von Martin Feldhaus

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