Dieselskandal: Unternehmer verklagt VW
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Arroganz und Ignoranz im Umgang mit vom Dieselskandal betroffenen Kunden wirft der Ahlener Unternehmer Adrian Blaschke der Volkswagen AG vor. Der Geschäftsführer der Sanitrans GmbH verklagt den Automobilkonzern.
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Der Streitwert der ersten Klage beläuft sich auf 166.000 Euro, eine weitere (Streitwert: 100.000 Euro) bereiten Blaschkes Anwälte aktuell vor.

Fahrten bis ins Ruhrgebiet gehören zum Arbeitsalltag

Sanitrans bietet Krankenfahrten für Patienten an, die sitzend und/oder liegend transportiert werden müssen. Die GmbH mit Sitz an der Porschestraße in Ahlen agiert nicht nur in der Wersestadt, sondern unter anderem auch in Sendenhorst, Beckum und Hamm. Fahrten ins Ruhrgebiet gehören ebenfalls zum Arbeitsalltag.

Zehn VW – neun Caddys und ein Passat – sind Teil des Fuhrparks der Firma. Für sie alle strebt Blaschke mit seinen Anwälten die Rückabwicklung der Kaufverträge an. Als der Dieselskandal 2015 publik wurde, nahm Blaschke zwar davon Notiz, befasste sich ansonsten aber nicht ausführlich damit.

Abgasreinigungsventile müssen nach Software-Update ersetzt werden

2016 wies ihn VW darauf hin, dass sechs seiner Fahrzeuge, allesamt 2015 angeschafft, betroffen seien. „Nachdem die neue Software draufgespielt wurde, wurden Abgasreinigungsventile beschädigt und mussten ersetzt werden“, berichtet der 39-Jährige. Diese Kosten habe VW erst nach einem mehrwöchigen Hin und Her übernommen.

Beim Thema „Fahrverbot“ macht es Klick

Später sei heraus gekommen, dass drei weitere Caddys und ein Passat, erworben vor 1,5 Jahren, ebenfalls mit „Schummelmotoren“ ausgerüstet seien. „Als dann das Thema Fahrverbot in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, hat es bei mir Klick gemacht“, sagt Blaschke. „Ich muss damit rechnen, dass solche Fahrzeuge von der Straße genommen werden.“

Autos zusätzlich technisch umgerüstet

Für ihn sei das existenzbedrohend. Zudem fühlt sich der Geschäftsmann gegenüber seinen Patienten in der Verantwortung. „Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 18.500 Fahrten“, sagt er. Jeder Caddy hat laut Blaschke 25.000 Euro gekostet. Bis zu 10.000 Euro seien jeweils in die technische Umrüstung für die Krankenfahrten investiert worden.

Unternehmer schaut schon nach Alternativen

Viel Geld, das bei einem Sieg vor Gericht so nicht wieder herein zu holen sein wird. Denn mit jedem Kilometer, den die Wagen fahren, verlieren die Fahrzeuge an Wert. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens schaut sich Adrian Blaschke nach Alternativen um. „Hybrid oder Elektro für Kurzstrecken“, nennt der Unternehmer. Eines sei ihm klar: „Diesel wird für mich keine Alternative mehr sein.“

Mehr im „Ahlener Tageblatt“ vom 10. April 2019.

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