Dramatischer Anstieg der Fallzahlen in Ahlen
Auf der Karte des Kreises Warendorf mit den aktuellen Corona-Fallzahlen ist Ahlen jetzt tiefrot eingefärbt.

Am Montag (12. Oktober) meldete das Kreisgesundheitsamt weitere 23 Neuinfektionen, die höchste Zunahme binnen eines Tages seit Beginn der Pandemie im März. Damit gibt es in Ahlen jetzt 74 akut Erkrankte – 20 mehr als die übrigen zwölf Städte und Gemeinden im Kreis zusammen.

Von Donnerstag auf Freitag vergangener Woche war die Zahl der aktiven Fälle in Ahlen sprunghaft von 33 auf 52 angestiegen. Am Sonntag wies die Statistik trotz weiterer 17 Neuinfektionen über das Wochenende zwar einen minimalen Rückgang auf 51 Fälle aus, da 18 Personen auf einen Schlag als gesundet gemeldet worden waren. Die Tatsache aber, dass es innerhalb von vier Tagen insgesamt 60 Neuinfektionen gegeben hat, lässt im Rathaus ebenso wie im Warendorfer Kreishaus die Alarmglocken schrillen und wirft Fragen nach den Ursachen wie nach Gegenmaßnahmen auf.

Die jüngste Entwicklung sei „erschreckend“, sagt die Leiterin der städtischen Ordnungsbehörde, G­a­briele Hoffmann. Als „Lichtblick“ wertet sie aber, dass Senioren- und Pflegeeinrichtungen ebenso wie Schulen und Kitas bisher von der neuen Infektionswelle weitgehend verschont geblieben sind. „Hauptsächlich“ hätten die steigenden Zahlen ihren Ursprung in größeren privaten Feiern. Solche müssen, sofern sie in öffentlichen Räumen wie Gaststätten oder Veranstaltungssälen stattfinden, seit dem 1. Oktober ab einer Teilnehmerzahl von 50 Personen angemeldet werden. Maximal sind 150 Gäste erlaubt. Diese Regelung könnte jedoch schon bald überholt sein.

Die 7-Tage-Inzidenz lag am Montag kreisweit bei 33,8 und damit nur noch knapp unter der ersten Warnschwelle von 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Wird sie überschritten, womit Stadt und Kreis kurzfristig rechnen, werde die Teilnehmerzahl für Privatfeiern außerhalb der eigenen vier Wände „automatisch auf 50 gedeckelt“, erklärt Kreissprecher Thomas Fromme.

Nach der Ankündigung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vom Sonntag werde diese Begrenzung aber mit Inkrafttreten der neuen Corona-Schutzverordnung ab dem 1. November ohnehin landesweit gelten, unabhängig vom lokalen Infektionsgeschehen. Das stellt sich nach Frommes Worten zurzeit „diffus“ dar. „Es gibt nicht die eine Quelle.“ Der Anstieg der Fallzahlen sei auch „nicht nur auf zwei oder drei Ereignisse zurückzuführen“.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger ruft die Bevölkerung in einer Pressemitteilung zu „anhaltender Sorgfalt im Umgang mit den Corona-Schutzmaßnahmen“ auf. Für den gegenwärtigen Anstieg an Neuinfektionen sei neben saisonalen Faktoren auch „eine gewisse Fahrlässigkeit“ verantwortlich. „Am besten wäre es“, so Berger in Bezug auf Privatfeiern, „ganz darauf zu verzichten.“ Auch wenn das schwer falle. Aber „nur mit Disziplin und Ernsthaftigkeit“ werde es gelingen, „dem Virus die Stirn zu bieten“.

Die zweithöchste Zahl aktiver Fälle im Kreis nach Ahlen weist Drensteinfurt mit 15 aus, am Freitag waren es noch 20. Ist die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Wersestädte zu Hamm, das nach wie vor als Risikogebiet gilt, dafür eine mögliche Erklärung?

Das lasse sich nicht eindeutig nachvollziehen, sagt Gabriele Hoffmann. Aber es könne „schon sein, dass da was zu uns rübergeschwappt ist“. Denn es sei sicher nicht so, dass beispielsweise auf Hochzeitsfeiern, die in Dolberg stattfinden, nur Gäste aus Ahlen anzutreffen wären.

Für den Vorsitzenden der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Heinrich Artmann, ist der Zusammenhang hingegen eindeutig. Er fordert Landrat und Bürgermeister zu einem konsequenten Vorgehen auf und fragt: „Müssen jetzt nicht Hennafeste und große Hochzeiten in Dolberg und Ahlen abgesagt werden? Diese Feiern haben doch Hamm und uns in Ahlen in diese gefährliche Situation gebracht.“

Ergänzend zu den Gesamtzahlen teilte der Kreis am Montag mit, dass in Ahlen am Berufskolleg St. Michael ein Schüler und in der Kita „Ostwall“ ein Kind positivauf das Coronavirus getestet worden sind. Die Testung der ermittelten Kontaktpersonen sei veranlasst.

von Peter Harke

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