Druck und Anspruch lasten auf Landwirten
Der Kreis Warendorf ist laut Landwirtschaftskammer NRW ein „Schweinemastkreis“. Was wiederum Probleme birgt: Zum einem muss die Gülle irgendwo hin, zum anderen werden Landwirte beim Bau großer, moderner Ställe von Bürger oftmals kritisiert.

Die einen wollten eine Weihnachtsgans haben, die auf einem Hektar Land groß geworden ist (und dann eigentlich 100 Euro kosten müsste), auf der anderen Seite laste aber der Druck der Discounter auf den Betrieben, möglichst billig Milch, Fleisch und Eier abzugeben.

Dies alles zählte Norbert Knipping bei der Hauptversammlung der Landwirtschaftlichen Ortsvereine am Mittwochabend bei Quante auf. Dazu komme noch der „Flächenhunger“ für Baugebiete, Straßen, Naturschutzflächen und Energiegewinnung. Dadurch verliere man in Deutschland zwei Quadratmeter pro Sekunde. Der Landwirt von heute habe es nicht einfach. Da komme einem das Bild von der „eierlegenden Wollmilchsau“, die alle zufriedenstellen solle, in den Kopf.

 Die Landwirte der Region hatten laut Knipping ein Jahr mit harten Frösten, reichlich Regen und Sorgen hinter sich. Die Ernte sei durchschnittlich gut gewesen, die Ausgaben für Energie, Dünger und Pflanzenschutzmittel seien gestiegen. Nutztierhaltung sei die Voraussetzung für eine intakte Kulturlandschaft. Dennoch würden Fortschritte in der Tierhaltung von der Bevölkerung oft missachtet. Doch: „Tierschutz ist auch Anliegen der Landwirte.“

Norbert Knipping: „Lebensmittelsicherheit ist ein entscheidender Faktor für den Frieden in der Welt.
Bei diesem Thema stieg Hermann-Josef Schulze-Zumloh, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Warendorf, ein: Man müsse die Öffentlichkeit überzeugen, dass ein moderner Stall eine Verbesserung für die Tiere bedeute. Und: Man solle besser vor der Errichtung miteinander, also auch mit Anwohnern, sprechen. Hilfestellung gebe die „Arbeitsgemeinschaft Stallbau“. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) biete für bauwillige Landwirte sogar ein Zweitagesseminar an. Wichtig sei, dass Bauen im Außenbereich als Privileg der Landwirte erhalten bleibe. Der WLV wolle ein Leitbild zur Tierhaltung erarbeiten.

 Mit der „Initiative Tierwohl“ wolle der Lebensmitteleinzelhandel Absatzsicherung betreiben, informierte Schulze-Zumloh. Dies gelte insbesondere für die Haltung von Schweinen. Eine Überlegung könne sein, Teilspaltenboden einzuführen. Dadurch würden nicht nur die Lebensbedingungen der Tiere verbessert. Auch mancher Kunde sei dann sicherlich bereit, mehr Geld für das Fleisch zu zahlen. Zudem wolle man mit dem „Lernort Bauernhof“ in Schulen gehen, „das sind die Verbraucher von morgen.“

(Ausführlicher bericht in der Ausgabe vom 21. Dezember)

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