Ehepaar mit Gas betäubt und ausgeraubt
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Beate und Norbert Ossenbrink aus Ahlen mit ihren beiden Pudeln Timmy und Charly sind leidenschaftliche Wohnmobilfans. Nach dem Überfall werden sie in Zukunft aber noch vorsichtiger sein.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Mit der sonst üblichen Unbeschwertheit beim Urlaub auf Rädern ist es seitdem vorbei. „In mir ist eine Urangst geweckt“, gesteht die 52-jährige Ahlenerin offen ein. Doch verzichten will sie auch weiterhin nicht auf diese besondere Art des Urlaubs.

Am 12. September war das Ehepaar nachmittags mit seinem 7,5 Meter langen und 2,3 Meter breiten Wohnmobil (vier Tonnen) in den Urlaub gestartet. Erste Station nach 660 Kilometern war die Autobahn-Raststätte Irschenberg in der Nähe des Inntal-Dreiecks (München). „Dort sind wir gegen Mitternacht angekommen“, berichtet der Gastronomiechef (56), der vielen Ahlenern als „Norbert vom Kupfergrill“ bekannt ist. Das Wohnmobil habe er auf dem letzten freien Platz in der Hauptgasse zur Tankstelle abgestellt, rechts und links von anderen Wohnmobilen umgeben.

Die Jeans, die Handtasche und das Portemonnaie seiner Frau entdeckte Norbert Ossenbrink, wie hier nachgestellt,  unter der Fahrertür des Wohnmobils.

„Ich habe mir noch gedacht, das ist ein Superplatz und auch sicher“, so Ossenbrink. Etwas gestört habe ihn nur ein Kühl-Lkw im Hintergrund. Der habe richtig Krach gemacht. Erst im Nachhinein sei ihm bewusst geworden, dass deswegen die beiden Hunde Timmy (7) und Charly (8) wohl nicht angeschlagen hätten, „als sich die Räuber heranpirschten“. Normalerweise reagierten sie sofort.

Abends habe er noch überlegt, die sogenannte Go-Box an der Tankstelle für 130 Euro aufzuladen, sagt Norbert Ossenbrink. Dabei handele es sich um ein kleines elektronisches Gerät („etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel“), das am Armaturenbrett vor der Windschutzscheibe befestigt werde. Mautpflichtige Fahrzeuge benötigten das Teil, um Österreich durchfahren zu können. Doch seine Frau habe ihn davon abgehalten und auf den nächsten Morgen verwiesen. Im Nachhinein weiß er: „Wenn ich abends noch losgegangen wäre, hätten die Räuber uns 130 Euro weniger geklaut.“

400 Euro weg: Hose und Handtasche liegen vor der Tür

Müde von der Fahrt seien alle schnell eingeschlafen, erinnert sich Norbert Ossenbrink. Den Wecker habe er zwar auf 6.30 Uhr gestellt, doch aufgewacht seien sie erst um 7.30 Uhr. Danach seien die üblichen Rituale abgelaufen: Zähne putzen, duschen, anziehen. „Und da fehlte meine Jeans“, so der 56-Jährige. Er habe seine Frau nach dem Verbleib der Hose gefragt. Doch sie habe nur geantwortet: „Die wird wohl da sein, wo Du sie hingelegt hast.“

Während sie mit den Hunden Gassi gegangen sei, habe er zweimal das Wohnmobil auf den Kopf gestellt und nichts gefunden. „In Hemd und Schlüpfer bin ich schließlich um das Wohnmobil gelaufen“, so Ossenbrink. Die Jeans, die Handtasche und das Portemonnaie seiner Frau habe er unter der Fahrertür entdeckt. „Da war ich überrascht“, sagt er. „Das Portemonnaie war offen, die Scheckkarten guckten mich an – alle waren noch drin.“ Aber erst als seine Frau zurückgekommen sei, habe festgestanden, dass die Räuber 400 Euro erbeutet hatten.

Daraufhin habe er sofort die Autobahnpolizei alarmiert. Kurze Zeit später sei der erste Polizeiwagen vorgefahren. „Ich wurde gefragt, ob wir abgeschlossen hätten, weil zunächst keine Einbruchspuren gefunden wurden“, so Ossenbrink. „Im Normalfall immer“, habe er geantwortet, aber auch er sei nur ein Mensch und könne etwas vergessen.

Mit einem Spanngurt sichert Norbert Ossenbrink seit dem Überfall die Türen des Wohnmobils.
Ein Stein sei ihm vom Herzen gefallen, als kurze Zeit später ein Experte der Spurensicherung festgestellt habe: „Machen Sie sich keinen Kopf, Ihr Auto wurde aufgebrochen.“ Unter dem Türgriff an der Fahrerseite sei eine kleine Kerbe, die kaum zu sehen sei. „Da sind die Kriminellen reingegangen. Erst haben sie Sie ins Koma gelegt und danach das Auto geknackt.“ Zudem seien in der Nacht auf dem Rastplatz noch zwei weitere Wohnmobile aufgebrochen worden.

Nach Abschluss der Arbeiten hätten sie ihre Reise zum Gardasee fortgesetzt und dort zwölf Nächte gecampt, so Ossenbrink. Ganz entspannt habe das Ehepaar die Rückreise angetreten mit zwei Zwischenübernachtungen. Aber 20 Kilometer vor Kassel sei es noch einmal ganz dicke gekommen. Das Wohnmobil habe vorne links einen Plattfuß bekommen. „Doch die gelbe Engel haben uns gerettet und abgeschleppt“, sagt er und lächelt.

Unterm Strich sei das Ganze „Abenteuerurlaub pur“ gewesen, stellt Norbert Ossenbrink fest, der seinen Humor nicht verloren hat. „Ich hoffe nur, dass wir dafür nicht noch nachzahlen müssen. Denn Abenteuer hatten wir eigentlich nicht gebucht.“

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 7. Oktober.

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