Ein Rondell steht Modell
Ulrich Gösmann
Hier geht‘s jetzt rund: Marlies Lieftüchter (l.) und Britta Damberg legen das Rondell am Rombergweg neu an. Fördermittel in Höhe von 850 Euro sind ihnen jetzt sicher.
Ulrich Gösmann

Der Rasen: vertrocknet, von Wildwuchs, Kaninchenlöchern und Hundekot durchsetzt. Das Rondell am Rombergweg hat schon prächtigere Pflanzperioden erlebt. Sein Comeback könnte jetzt Modell für andere Privatinitiativen sein. Bürgerengagement fand am Dienstagnachmittag im Ausschuss für Ordnung, öffentliche Einrichtungen und Anregungen breiten Beifall. Ein Leuchtturmsignal gehe von ihm aus. Und – auch das Wort fiel – ein Motivationsschub für andere Straßenzüge.

Britta Damberg hatte sich mit einem Antrag zur Förderung bürgerschaftlicher Projekte an die Stadt gewandt. Ihre Geschichte überzeugte. Und begeisterte unter der Überschrift „Bewohner-Blumen-Bienen“ den Ausschuss. 850 Euro sind dem Rombergweg jetzt sicher.

Mit einer ersten Eingabe hatten sich Anwohner im Jahr 2013 für die Umgestaltung ihrer Stichstraße in eine Spielstraße stark gemacht. Mit Erfolg. „Wir wollten keine Tempo-30-Zone“, erzählt die Finanzbeamtin am Mittwochmorgen beim Ortstermin. Damals fiel auch das Versprechen, bei der Pflege der neuen Grünflächen zu helfen. Seitdem steht das Rondell am Rombergweg unter der Dauerpflege von Britta Damberg und ihrer Nachbarin Marlies Lieftüchter. Im Radius fünf Quadratmeter groß, säten sie zunächst Rasen ein, der unter der kanadischen Amba auch prächtig anging. Eine Rundbank macht das Rondell seitdem zu einem beliebten Treffpunkt.

Die heißen Sommer der vergangenen drei Jahre brachten die Wende. Zuletzt half auch der ausgerollte Schlauch nicht mehr, um das Grün unter sengender Sonne zu retten. Der Rasen vertrocknete, Wildwuchs übernahmen die kahlen Flächen, Kaninchen gruben ihre Löcher. Das, was aus dem eigenen Geldbeutel nachgepflanzt wurde, verdörrte. Seit Corona scheint das Rondell von Gassigängern stärker frequentiert zu sein. „Viele verwechseln es mit einem Hundeklo“, sagt Britta Damberg. Und wer macht‘s weg? Sie.

Jetzt stehen die Signale auf Neuanfang. Die Damen vom Rombergweg-Rondell starten in Kürze in eine Grunderneuerung ihrer grünen Insel. Mit gärtnerischer Unterstützung durch Peter Grebenstein steht ihr Plan: Bis auf den Baum kommt alles weg. Zehn Zentimeter Oberboden werden abgetragen. Gewächse, die wenig Wasser brauchen, übernehmen. Dazu Kräuter wie Salbei, Thymian und Rosmarin, um auch etwas für die Insekten zu tun. Eingebettet in einen Teppich aus Pinienmulch, der einen schmalen Pfad zur Bank ausspart.

„Das ist genau das, was wir uns wünschen“, stimmte Ausschussvorsitzender Thomas Kozler (SPD) den Lobgesang am Dienstagnachmittag in der Sitzung an. Karl-Heinz Meiwes (SPD) attestierte „Herzblut, Liebe und Geduld.“ Vielleicht sei die Initiative Modellcharakter und Motivationsschub. Erhard Richard sah ein „Leuchtturmsignal für andere, auch etwas zu tun.“ Martin de Kunder (BMA) applaudierte: „Dieser Antrag trifft den Geist der Satzung total.“

von Ulrich Gösmann

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