Ein etwas anderer Wahlkampftermin
Bild: Voss-Loermann
Welche Partei konnte bei der Podiumsdiskussion am Gymnasium St. Michael in Ahlen überzeugen? Die Schüler gaben am Schluss mit farbigen Karten ihr Votum ab.
Bild: Voss-Loermann

Während die Bundestagskandidaten im Mittelpunkt des Interesses bei den etwa 400 Schülern und Lehrern im Publikum standen, lenkte das Sowi-Team mit Jessica Jaunich, Fabian Mateiner und Hanna Staender die Diskussion unaufdringlich, aber bestimmt. Wer nach exakt zwei Minuten nicht fertig war mit seiner Argumentation, dem wurde das Wort entzogen. Dabei lief die Zeit für alle sichtbar auf der Leinwand mit und nötigte Johannes Philipper, Jens Spahn, Alexander Ringbeck, Bernhard Daldrup und Karl Stephan Schulte zu kurzen, klaren und knackigen Aussagen. Drei Fragen waren vorgegeben (siehe Hintergrund). Vor den Diskussionsrunden gab es zum jeweiligen Themengebiet einen Einspielfilm, was Jens Spahn zu der Aussage verleitete, noch nie eine so professionell vorbereitete Podiumsdiskussion in einer Schule erlebt zu haben. Und die drehte sich um Themen, die jungen Leuten offenbar unter den Nägeln brennen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gerechtigkeit in der Steuerpolitik und Rüstungsfragen zum Thema Drohnen – das alles wurde intensiv besprochen, ohne auszuufern. Wie stehen die heimischen Politikern zu diesen Fragen, was steht für sie in Zukunft an wichtiger Stelle, die Beantwortung sollte den Schülern Anhaltspunkte für ihre Entscheidungen bei der Bundestagswahl im September liefern. Beifall etwa gab es für Sätze wie: „Wichtig ist, dass man überhaupt zur Wahl geht. In anderen Ländern riskieren Menschen dafür ihr Leben. In Deutschland muss man nur 18 Jahre alt werden“, von Jens Spahn. Ein Exkurs nach Afghanistan zum Thema Terrorismus und der zitierte Spruch von Peter Struck „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“ dagegen brachte eher Gelächter. Es gebe in der Sicherheitsphilosophie Deutschland schwerwiegende Versäumnisse, so Bernhard Daldrup, der für eine hinreichende parlamentarische Kontrolle in Sachen Drohneneinsatz plädierte. Einige Schüler aus dem Auditorium stellten anschließend persönliche Fragen.

Die Idee der Podiumsdiskussion stammt vom Stellvertretenden Schulleiter Ansgar Heskamp. Als Sowi-Lehrer eines Kurses von Zehntklässlern konnte er auch die Kollegin Verena Seidel und deren Sowi-Kursus dafür gewinnen, angesichts der im September bevorstehenden Bundestagswahl eine Podiumsdiskussion auf die Aulabühne zu bringen, zu der alle im Wahlkreis Warendorf Süd antretenden Direktkandidaten geladen waren. Nur zwei Monate hatten die Schüler Zeit für die Vorbereitungen. Das Ziel war offensichtlich: kein Gerede, sondern konkrete, knackige Aussagen sollten den Politikern entlockt werden. Dafür hatte jeder eine exakt abgemessene Redezeit von zwei Minuten, auf deren Einhaltung streng geachtet wurde. In der Replik stand dann für jeden der Fünf eine Minute zur Verfügung. Drei konkrete Fragen galt es dabei abzuarbeiten, die Schüler haben sie so formuliert: „Familie und Beruf – vereinbar?“ „Vermögenssteuer zur Um-fair-teilung?“ und „Bewaffnete Drohnen – Waffen der Zukunft?“ Befragt wurden Johannes Philipper (FDP), Jens Spahn (CDU) für Reinhold Sendker, Alexander Ringbeck (Grüne), Bernhard Daldrup (SPD) und Karl Stephan Schulte (Die Linke) von den Zehntklässlern Jessica Jaunich, Fabian Mateiner und Hanna Staender.

SOCIAL BOOKMARKS