Erinnerung an ehemalige Ratsfrau Selma Englisch
Ein Legendenschild erinnert seit kurzem an die frühere KPD-Ratsfrau Selma Englisch aus Ahlen, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.

Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels dankte Udo Wagener vom Heimat-Förderkreis für westfälische Tradition, der zum wiederholten Male als Pate einen Legendenzusatz ermöglichte. „Von der Privatperson Selma Englisch ist leider nicht viel bekannt“, weiß Jürgen Rheker, ehrenamtlicher Stadtchronist. Er erinnert sich, dass sie in den 1980er-Jahren von Zeitzeugen „als ruhige, sanfte und liebenswerte Frau“ beschrieben worden sei.

Unumstritten ist ihre aktive Rolle in der Frauenbewegung, und dass sie neben Anna Schirrmacher die bekannteste Kommunistin in Ahlen war. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Selma Englisch einen Monat später verhaftet. Jahrzehntelang wurde vermutet, dass Selma Englisch zusammen mit August Kirchner am 3. Mai 1945 auf dem Schiff „Cap Arcona“ umgekommen sein soll. „Doch zu diesem Zeitpunkt lebte sie schon nicht mehr“, hat Rheker in Erfahrung gebracht.

Aufgrund seiner umfangreichen Recherchen ist nunmehr Licht in die Umstände ihres Todes gekommen: „Sie kam über die Polizeigefängnisse Münster und Magdeburg sowie das Konzentrationslager Sachsenhausen am 22. September 1944 in das Konzentrationslager für Frauen nach Ravensbrück mit der Haftnummer 72250“. Dort ist sie am 30. November 1944 umgekommen. Im Sterberegister des Standesamtes Ravensbrück II ist vermerkt „am 30.11.1944, 12.45 Uhr verstorben.“

Der SS-Standortarzt habe laut Rhekers Recherchen als Amtsarzt im KZ Ravensbrück als Todesursache eine Herzmuskelschwäche dokumentiert. Die Sterbeurkunde bescheinigt, es habe sich „ein Verdacht nicht ergeben, dass der Verstorbene eines nicht natürlichen Todes gestorben sei.“ Angehörige konnten gegen eine Gebühr die Urne erhalten, die angeblich die Asche der Toten enthielt. Gegen Zahlung der Gebühr wurde die Urne nach Ahlen gesandt. Das Urnengrab befand sich bis zum Ende der Nutzungszeit 1975 auf dem Ostfriedhof.

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