Erste Brücken nach Kroatien gebaut
Die Spuren des Krieges sind in Kroatien noch heute an vielen Stellen im Land sichtbar. Für Manfred Brückner ist das schockierend.

Auf diesem Streifen hatten sich die Schüler mit 15 Texten und einem verschlossenen Umschlag, in dem sich ein Brief aus Puzzleteilen befand, verewigt hatten.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit dem internationalen Kunstprojekt „Die Welt, die Stadt, die Liebe“, an dem sich neben der Geschwister-Scholl-Schule Gruppen aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Kroatien und Slowenien beteiligen (das „AT“ berichtete).

Für die Ahlener Schüler war es der erste Kontakt zu einer siebten Klasse in Ernestinovo, einer Kleinstadt mit rund 1000 Einwohnern. Die noch fremden Schüler aus Kroatien hatten im Vorfeld 20 Briefe geschickt, in denen sie ihre Lebenssituation schilderten. Ein Punkt waren die Nachwirkungen des Krieges.

Das Kunstprojekt und die Arbeiten der Geschwister-Scholl-Schüler, die der Ahlener Künstler mitgebracht hatte, fanden bei den Siebtklässlern in Ernestinovo (Kroatien) großen Anklang.
Die Briefe aus Ernestinovo waren zunächst von zwei Schülern der Geschwister-Scholl-Schule übersetzt worden. Danach wurden die Schreiben von den Zehntklässlern beantwortet. Dabei stellten auch sie ihre Sorgen, Ängste und Nöte, aber auch ihre Sehnsüchte und Zukunftsperspektiven dar. Es entstanden zwei Papierwerke. Während die Arbeit mit den Texten schon in Kroatien ist, wird das zweite Werk mit gemalten Bildern erst im kommenden Jahr persönlich überreicht. Die Geschwister-Scholl-Schüler fahren in den Osterferien für eine Woche nach Ernestinovo.

Nach der Rückkehr aus Kroatien zeigte sich Brückner erschüttert und beeindruckt von seiner neuntägigen Reise. Der Spuren des Krieges seien noch immer allgegenwärtig, sagte er. Nach wie vor seien zerstörte Häuser zu sehen und schauerliche Berichte zu hören. „Ich habe einen jungen Mann getroffen, der zusehen musste, wie sein Vater auf bestialische Weise ermordet wurde“, so Brückner. „Dessen Seele ist kaputtgemacht worden. Und das ist leider kein Einzelfall.“

Doch das sei nur die eine Seite gewesen, so der Ahlener Künstler. In der Schule der kleinen Stadt habe er wissbegierige, begeisterungsfähige und aufmerksame Kinder kennengelernt. „Der totale Kontrast zu unseren Schulen“, sagte er. „Alle wollen dort lernen.“ Die Kinder freuten sich zudem auf den Besuch der Ahlener Schüler in den Osterferien. Und schon jetzt ist sich Brückner sicher ist: „Das wird eine fruchtbare Zusammenarbeit.“

Schüler freuen sich auf den Besuch aus Ahlen

Das von der Europäischen Union (EU) geförderte Kunstprojekt „Die Welt, die Stadt, die Liebe“ hat Manfred Brückners künstlerische Weggefährtin Milica Reinhart angestoßen. Neben den Jugendlichen beteiligt sich auch eine Gruppe von internationalen Künstlern an der Aktion. Von dem Besuch Brückners und seiner Präsentation in der Schule von Ernestinovo zeigte sich Milica Reinhart begeistert. „Die Kinder waren aufmerksam und berührt“, teilte sie dem „AT“ mit. Immer wieder habe sie gehört, „die sind aber cool“. Und das hätten sie auf Facebook und per SMS mit Smileys dokumentiert. „Nun freuen sie sich auf den Besuch der Ahlener Schüler.“

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