Erziehung in Ahlen fest in Frauenhand
Bild: Enz
Hahn im Korb ist Chris Pott im Kindergarten Milchzahn nicht nur beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen mit den Zwillingen Azra und Ela. Der 23-jährige Praktikant im Anerkennungsjahr ist der einzige Mann unter 84 Beschäftigten in den sechs städtischen Kindergärten.
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In den sechs städtischen Kindergärten in Ahlen gibt es gar keinen fest angestellten Mann. Einen einzigen männlichen Namen findet Hans-Werner Willmer, bei der Stadt für die Kindertagesbetreuung zuständig, in seinen Angestelltenlisten: Chris Pott. Unter insgesamt 84 Beschäftigten inklusive Praktikanten in den städtischen Kindergärten ist Chris Pott der einzige Mann.

Pott ist 23 Jahre alt und absolviert sein Berufsanerkennungsjahr im Kindergarten Milchzahn im Südenstadtteil. Die Außenseiterrolle als Mann ist er gewohnt. In seiner rund 20-köpfigen Erzieherklasse der Berufsschule Beckum waren auch alle anderen Frauen. Der etwa gleich starke Jahrgang vor ihn hatte immerhin zwei Männer aufzuweisen.

Männer wollten unter anderem deshalb nicht Erzieher werden, weil das Gehalt nicht besonders gut sei, lautet eine weit verbreitete Annahme. Gängige Tarifgruppierungen sehen etwa 2100 Euro Bruttolohn für Einsteiger vor, die finanziellen Aufstiegsmöglichkeiten sind eng begrenzt.

„Die Bezahlung war mir klar, aber das Geld ist Nebensache“, sagt Pott. „Es reicht zum Leben, mehr brauche ich nicht.“ Ihm macht die Arbeit mit den Kindern Spaß, und er glaubt, dass die Kleinen von männlichen Erziehern profitieren. „So haben die Jungen jemanden zum Bolzen“, sagt er. Auch die Mädchen hätten aber einen Gewinn von der männlichen Bezugsperson. Denn viele Kinder, egal welchen Geschlechts, hätten zuhause vor allem Kontakt zur Mutter.

Im Wechselspiel der Rollen sieht auch Hubert Färber einen klaren Vorteil gemischt-geschlechtlicher Kindergartenbelegschaften. „Das Handeln der Erziehenden ergänzt sich gegenseitig“, sagt Färber.

(Ausführlicher Bericht in der Ausgabe vm 26. August.)

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