Evangelische Kirche Ahlen in bedrängter Zeit
Bild: Voss-Loermann
Im Rahmen der Wiedereröffnung des Ahlener Heimatmuseums an der Wilhelmstraße hat Bürgermeister Benedikt Ruhmöller am Sonntag die Ausstellung über die Evangelische Kirche in Ahlen während der NS-Zeit von 1933 bis 1945 eröffnet.
Bild: Voss-Loermann

Die VHS-Geschichtswerkstatt unter Leitung von Reinhard Baldauf und Pfarrer em. Heinz Aden hat die Zeit von 1933 bis 1945 in Bezug auf die Evangelische Kirchengemeinde erforscht. Die Ausstellung dokumentiert das kirchliche Leben in Ahlen in dieser Zeit. Die Einführung in das Thema hatte der frühere Pfarrer der Paulusgemeinde und Superintendent i. R., Erhard Nierhaus, übernommen. Er befasste sich mit der Barmer Synode, im Zuge derer die Evangelische Kirche Deutschlands am 31. Mai 1934 das als „Barmer Theologische Erklärung“ verabschiedet wurde.

Diese, so Nierhaus, sei ein Bekenntnis des Glaubens gewesen, das „nicht vom Himmel gefallen ist“. Vielmehr hätten sich seine Verfasser getreu der Devise „Du sollst Gott mehr gehorchen, als den Menschen“ gegen eine Gleichschaltung ihrer Kirche durch die Nazis ausgesprochen, und das in einer zuvor nie dagewesenen Einmütigkeit. „Die Erklärung ist eine Reaktion auf die besondere geschichtliche Verantwortung der Kirche in jener Zeit, als die jungen Leute eher fröhliche Hitlerjugend ohne christliche Tugenden sein wollten.“

Im Zuge der versuchten Gleichschaltung durch die Nazis habe es bereits den „Reichsbischof“ Ludwig Müller gegeben. Durch die Evangelische Kirche sei ein Riss gegangen. Auch in Ahlen sei das Presbyterium völlig zerstritten gewesen, so Nierhaus. „Es stand die Herausforderung im Raum, dass die Kirche abgeschafft und in eine gehorsame Gemeinschaft mit dem Titel „Gott und Führer“ eingehen sollte. Doch man hat damals erkannt, dass die Lehre Jesu Christi unvereinbar mit der rasseorientierten Blut- und Bodenideologie der Nazis ist.“ Dadurch sei ab dem 31. Mai 1934 der Weg frei gewesen, die bekennende Kirche als die einzige rechtmäßige in Deutschland zu sehen. „Die Menschen haben sich dennoch damals nicht als politische Widerstandskämpfer verstanden“, stellte der Redner klar. Einige der Synodalen seien gar Mitglied in der NSDAP gewesen. Auch habe man das Verhältnis zum Judentum nicht geklärt, bedauerte Nierhaus. Sein Fazit aber lautete: „Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben.“

„Ein Museum ist keine Abstellkammer für alte Schätze. Es soll ein Haus der Begegnung sein.“ Bevor die Ausstellung zur Lage der Evangelischen Kirche in der Nazizeit das Hauptthema der Veranstaltung am späten Sonntagnachmittag wurde, nutzte der Bürgermeister die Gelegenheit, auf die Wiedereröffnung des Heimatmuseums und seine Funktion einzugehen.

Durch seine Nutzung als Ort einer Dauerausstellung, aber auch temporärer Schauen sowie der Stärkung der Museumspädagogik solle das Haus als das wahrscheinlich älteste profane Gebäude der Stadt Ahlen künftig aufgewertet werden. Dazu sei das Team um Gabriele Moser-Olthoff und ihrer Mitarbeiterin Petra Schäfer bestens gerüstet. Die Museumspädagogik werde in dem Raum angesiedelt, in dem früher die Zechen-Sammlung gestanden habe. Letztere werde dem Bergbautraditionsverein für dessen eigenes, umfangreiches Museum an der Zeche Westfalen übergeben.

Zur Ausstellung selbst merkte der Bürgermeister an, sie sei ein wichtiger Schritt in einer Zeit, da die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber den Nazi-Verbrechen immer größer geworden sei, dies erschrecke ihn zutiefst. Anschließend ergriff der Mitorganisator der Erinnerungsausstellung, Pfarrer im Ruhestand Heinz Aden, das Wort. Er dankte den Verantwortlichen, allen voran dem Museumsteam, für die einzigartige Arbeit und für das bürgerschaftliche Engagement, das diese Ausstellung erst möglich gemacht habe.

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