Evangelische Seelsorge gesichert
Stadt Ahlen
Kerstin Goldbeck (M.) und Dorothea Helling zu Besuch bei Bürgermeister Dr. Alexander Berger.
Stadt Ahlen

Einen Grund zum Entschuldigen hatte Superintendentin Kerstin Goldbeck bei ihrem Antrittsbesuch im Ahlener Rathaus nun wirklich nicht. „Normalerweise stelle ich mich zu Beginn vor“, sagte sie Bürgermeister Dr. Alexander Berger, als dieser die neue Leiterin des Evangelischen Kirchenkreises Hamm begrüßte. Schließlich sei sie schon seit März im Amt. Aber wie überall diktierte die Pandemie, was möglich ist und was auf einen späteren Termin verschoben werden muss. So kam es erst jetzt zum Kennenlernen von Superintendentin und Stadtoberhaupt, das die gute Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche herausstrich: „Wir arbeiten für dieselben Menschen, was man insbesondere im Kitabereich sehr gut erkennt.“

Die vertrauensvolle Kooperation mit der Stadt Ahlen weiß auch Kerstin Goldbeck zu schätzen. Herausforderungen an ihr Amt und die Institution Kirche sieht sie an anderen Stellen. „Die orientierende Kraft sind wir nicht mehr“, räumt sie unumwunden ein. In der Coronakrise sei das sehr deutlich geworden. Gläubige mit hoher kirchlicher Verbundenheit hätten die Gottesdienste – so sie möglich waren – aufgesucht und nach seelsorgerischer Begleitung gefragt. „Die anderen aber haben uns nicht vermisst.“

Anlass zur Zuversicht gebe es dennoch, sagt Goldbeck, denn: „Wir sitzen nicht auf einem sinkenden Schiff.“ Die Handlungsfähigkeit der Kirche hänge ab von Mut und Ideen Engagierter. Das sind im Kirchenkreis nicht weniger als 800 Hauptamtliche und mehrere tausend Ehrenamtliche. Ähnlich wie in Vereinen werde die Bindung an die Kirche geringer. „Es ist kein Problem, jemanden für Projektarbeit zu gewinnen, aber schwierig wird es, wenn es um die mehrjährige Besetzung von Ämtern geht.“

So in etwa war es auch bei ihr selbst, als es darum ging, die Nachfolge des verstorbenen Vorgängers Frank Millrath zu regeln. Zunächst habe sie sich geziert, als ihr das Angebot angetragen worden sei. Ihren Platz habe die Pfarrerin immer in der Seelsorge und nicht in der Organisation gesehen. Nach einer gesundheitlichen Krise jedoch reifte die Überlegung, „was der liebe Gott wohl mit mir vorhat.“ Die Bewerbung sei dann schnell geschrieben gewesen.

Jetzt heiße es, an die dicken Brocken zu gehen. Da ist zum einen die bevorstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. „In zehn Jahren werden wir die Hälfte an Personal verlieren.“ Das werde gravierende Auswirkungen auf die Seelsorge haben, die in Ahlen noch gesichert sei, in Hamm aber längst nicht mehr überall. Die Veränderungen verlangten, nach neuen Wegen zu suchen, ohne die bewährten zu verlassen. Die Ahlener Pfarrerin Dorothea Helling hat in der Coronakrise gemerkt, „dass es nicht reicht, über das Internet den Kontakt zu halten.“ Das persönliche Miteinander sei unverzichtbar, wenn es darum gehe, Menschen in schwierigen Lebenslagen Trost zu spenden und zu unterstützen. Die gute Zusammenarbeit von Stadt und Evangelischer Kirche wünscht sich Bürgermeister Berger zum Nutzen des Gemeinwesens zu vertiefen, was bei Kerstin Goldbeck auf große Bereitschaft stößt. „Ich vertrete eine Kirche, die die Kooperation sucht.“ Das Evangelium sei schließlich immer politisch.

Zum Evangelischen Kirchenkreis Hamm gehören zwölf Kirchengemeinden und etwa 81 000 evangelische Gemeindeglieder im Bereich Ahlen, Bönen, Hamm, Sendenhorst, Werl-Hilbeck und Werne.

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