Ex-Ahlenerin will Bürgermeisterin werden
Die gebürtige Ahlenerin Birgit Mosler, geborene Greve, tritt als Bürgermeisterin in Kalkar an. Die Kommune hat 13 Stadtteile und zählt 14 149 Einwohner (Stand 6. Januar 2015).

„Ich bin eine Idealistin und glaube an das Gute im Menschen“, sagt die Mutter von drei Kindern, Ann-Kathrin (23), Lara (20) und Leonard (13). Bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement sei für sie schon immer wichtig gewesen. „Ich möchte etwas bewegen – gerade im ländlichen Bereich“, erklärt sie. Aktuell arbeitet sie mit rund 100 Unterstützern daran, einen Dorfladen in Grieth, Stadtteil von Kalkar, zu gründen. Dort wohnt sie seit 17 Jahren mit ihrem Ehemann Peter (52) und den Kindern.

„Ich habe gesehen, wo die Grenzen von bürgerschaftlichem Einsatz sind und ich etwas nicht umsetzen kann“, räumt sie ein. Daher habe sie sich Gedanken gemacht, wie sie etwas ändern könne. Die Bewerbung für das Bürgermeisteramt gehöre dazu.

Politisch festgelegt hat sich Birgit Mosler nicht, und daran will sie auch festhalten. Von den Schnittmengen her passe es nicht, sich einer Partei anzuschließen, erklärt sie. Zudem steht für sie fest: „Sobald Du anfängst, Dich politisch einzuordnen, tun sich Gräben auf, die man besser zulassen sollte.“ Oftmals werde eine gute Idee abgeschmettert, weil sie nicht aus den eigenen Reihen komme. Und das sei schade.

Als Bürgermeisterin wolle sie mit der Verwaltung anders arbeiten als der noch amtierende Bürgermeister Gerhard Fonck (CDU), der nach 16 Jahre eine vierte Amtszeit anstrebe. Teamgespräche und gemeinsame Entwicklungen seien ihr wichtig, sagt Mosler. Sie wolle versuchen, mit dem Rat zielgerichtet zu arbeiten und eine andere Kultur der Zusammenarbeit pflegen. Mit den Gremien müsse überlegt werden, wo Kalkar in 20 oder 30 Jahren stehen soll. „Ich halte nichts vom Herumeiern und jedes Klientel bedienen. Wir müssen ein Leitbild erstellen und danach handeln“, unterstreicht sie.

Seit 2013 ist Birgit Mosler als Projektkoordinatorin an der Hochschule Rhein-Waal beschäftigt. Einen Schwerpunkt bildet das Fachhochschul-Struktur-Projekt „Smart Villages“ (Lösungen zur Zukunftsfähigkeit des Landlebens). „Die Hochschularbeit hat mich geprägt. Wir sind da absolute Teamplayer“, sagt sie. Und darauf wolle sie auch als Bürgermeisterin aufbauen. Zumal sie kein Machtmensch sei. „Ideen entwickeln und auf Augenhöhe mit den Ratsmitgliedern besprechen“, sei ihr Weg. Zudem wolle sie auf gewisse Umgangsformen achten. „Ich will keine Schlammschlachten. Dafür haben wir angesichts der drängenden Probleme keine Zeit.“

Mit viel Herzblut und Engagement Probleme lösen

Erstmals in Kontakt mit einer Partei sei sie vor der Kommunalwahl 2014 gekommen, sagt Birgit Mosler. Dort habe sie als Parteilose auf einer Wahlliste der SPD kandidiert. „Das war ein hinterer Listenplatz ohne Aussicht auf ein Ratsmandat.“ Dies sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen mit Blick auf ihre Arbeit an der Hochschule.

Doch dann habe die CDU in Kalkar ihre absolute Mehrheit überraschend verloren. Dazu beigetragen habe das Forum Kalkar, unter anderem eine Absplitterung der CDU. Aus dem Stand hätte die Gruppierung 33 Prozent der Stimmen geholt. Und das, obwohl das Forum erst im Januar 2014 an den Start gegangen sei. Gepunktet habe die Initiative damit, dass sie sich für eine transparentere Politik und bürgerschaftliches Engagement ausgesprochen habe.

„Nach der Kommunalwahl wurde ich von der SPD angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, als Bürgermeisterkandidatin anzutreten“, sagt Mosler. Das habe sie eher als Spaß angesehen. Deshalb habe sie abgewunken, zumal sie noch spannende Projekte an der Hochschule vor sich gehabt habe.

Anfang 2015 sei nochmals konkret nachgefragt worden. „Ich habe den Familienrat einberufen und wir haben zusammen überlegt“, so Mosler. Am 2. Februar sei bei ihr die Entscheidung gefallen. Zwei Tage später sei sie zur SPD-Mitgliederversammlung gegangen und habe gesagt: „Wenn Ihr mich wollt, könnt Ihr mich haben.“ Das Ergebnis sei einstimmig gewesen. Ein deutliches Signal habe ihr zudem der örtliche FDP-Vorstand gegeben. „Jetzt müssen noch die Mitglieder zustimmen.“ Offen sei auch noch die Unterstützung durch die Grünen. Mit dem Vorstand habe sie gesprochen. Doch man habe sich noch nicht festlegen wollen. „Wenn mich alle drei Fraktionen unterstützen, wäre das eine gute Ausgangsposition“, so Mosler.

Doch auch so steht für sie fest: „Ich trete an.“ Natürlich sei die Unterstützung der Parteien wichtig. „Doch letztendlich bestimmt der Wähler den Ausgang der Bürgermeisterwahl.“ Und dabei spiele Sympathie für die eine oder andere Partei eine untergeordnete Rolle. Nur der Kandidat selbst zähle. „Bürgermeisterwahl ist Personalwahl.“

In den Wahlkampf richtig einsteigen will Birgit Mosler erst Ende März. „Ich entwickle aktuell noch wichtige Forschungsprojekte für den ländlichen Raum, und die will ich abschließen“, sagt sie. Schließlich habe sie ihren Job bisher immer mit viel Herzblut und Engagement erledigt und das werde so bleiben.

Porträt

Nach der Schulzeit mit natur- und sozialwissenschaftlich geprägten Abiturfächern und einer Ausbildung in einem Gartenbaubetrieb, studierte Birgit Mosler ab 1987 an der Fachhochschule in Osnabrück Gartenbau. Im Anschluss arbeitete sie in der Projektleitung in einem mittelständischen Betrieb in Moers, danach in der Büroorganisation. Seit August 2013 ist Mosler als Projektkoordinatorin für das Struktur-Projekt „Smart Villages“ an der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort beschäftigt. Seit 1998 lebt Birgit Mosler mit ihrem Mann und den drei Kindern in Grieth und erlebt dort tagtäglich die Auswirkungen der Veränderungen der ländlichen Strukturen. Die Entwicklung von sozialen und wirtschaftlichen Konzepten für den ländlichen Raum und das Entwickeln von machbaren Lösungen, speziell unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, sind hierbei besondere Interessensgebiete. Diese stehen auch im Projekt „Smart Villages“ im Vordergrund.

Zitate

„Nein. In meiner alten Heimatstadt Ahlen würde ich nicht als Bürgermeisterin kandidieren. Dafür kenne ich die Situation und den Bedarf vor Ort zu wenig. Zudem kann ich meine Kompetenzen in Ahlen nicht einbringen. Auch die dringend erforderlichen Netzwerke fehlen. Die Voraussetzungen stimmen einfach nicht.“

Birgit Mosler  auf die Frage, ob sie sich hätte vorstellen können, auch in ihrer Heimatstadt Ahlen anzutreten.

„Im September 2014 ist die Idee geboren worden, einen Dorfladen als Bürgergenossenschaft zu gründen. Mittlerweile gibt es rund 100 Mitstreiter, eine Einlage von 30 000 Euro sowie Spenden. Eine Ladenfläche haben wir in Aussicht, zentral gelegen in einem alten Haus. Natürlich muss da viel gerissen werden, aber die Leute brennen darauf. Es herrscht richtige Aufbruchstimmung und alle scharren mit den Hufen. Aber wir müssen uns noch etwas gedulden. Erst demnächst fällt die Entscheidung, ob das Vorhaben im Rahmen eines Förderprogramms der Europäischen Union (LEADER) unterstützt wird. Bis dahin dürfen wir nichts machen, weil das förderschädlich ist. Aber es lockt eine Förderquote von 60 Prozent.“

Birgit Mosler  zu dem Dorfladen-Projekt in Grieth (Kalkar).

„Schule und Bildung sind aus meiner Sicht die wichtigsten Themen überhaupt. Zudem sind sie wichtige Standortfaktoren.“

„Eine Qualität des Bürgermeisters muss sein, Prozesse zu moderieren und zu strukturieren.“

„Noch ist Kalkar nicht in der Haushaltssicherung. Haushaltskonsolidierung ist schon jetzt das absolute Thema.“

Birgit Mosler  zu ihren Zielen als Bürgermeisterkandidatin.

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