Fass des Zumutbaren längst übergelaufen
Ulrich Gösmann
Aufmerksam auf Abstand: Anwohner aus den Kellerüberschwemmungsgebieten verfolgten die Diskussion des Ortsausschusses Dolberg, der im Ratssaal des Rathauses tagte.
Ulrich Gösmann

Wenn es noch eines Tropfens bedurft hätte, dann waren es die letzten Niederschläge, die das Fass des Zumutbaren zum Überlaufen brachten. Regnet es in Dolberg, laufen im Wohnquartier Ginsterweg, Dillweg und Combrinkstraße die Keller voll. Betroffene verfolgten am Donnerstagabend die Diskussion im Ortsausschuss, dessen Tagungsort Ratssaal Platz für breite Öffentlichkeit bot. Anwohnerärger entlud sich am Ende des halbstündigen Meinungsaustauschs mit dem – wie Vorsitzender Philipp Gößling anmerken musste – unzulässigen Zuruf, der da lautete: „Wir werden wieder nur vertröstet!“

Die CDU hatte das Thema auf die Tagesordnung geschickt. Mit drei Fragen:

1. Was sind die Ursachen für die erneuten Kellerüberschwemmungen im Bereich Ginsterweg während des Regenereignisses in den Abendstunden des 9. August?

2. Was wurde gegebenenfalls in den zurückliegenden Monaten – seit dem letzten Starkregenereignis mit Kellerüberschwemmungen – veranlasst, um die Ursachen zu ermitteln?

3. Wie schätzt die Verwaltung die Gesamtsituation zum Entwässerungssystem für die Ortslage Dolberg – auch unter Berücksichtigung der geplanten und nicht nicht abgeschlossenen Baumaßnahmen ein?

Für den Antragsteller bezog Jochen Rabe Position und eröffnete seinen Wortbeitrag mit dem Hinweis auf unverhältnismäßig hohen Fremdwasseranteil. Der Christdemokrat rief dazu auf, bei aller Aufregung Schnellschüsse und auch Schuldzuweisungen zu vermeiden. Die Verwaltung möge zeitnah Lösungsvorschläge unterbreiten. Dolberg wachse und brauche eine zukunftsträchtige Lösung. Rabe: „Nicht, dass wir in fünf bis sechs Jahren wieder alles über den Haufen werfen müssen.“ Fakt sei: Bei jedem Regen, selbst wenn es nur 40 Liter auf den Quadratmeter seien, würden Keller „absaufen“. Das sei nicht länger zumutbar.

Uwe Maschelski verlas Auszüge aus einer Satzung aus dem Jahr 2003, in der bereits defekte Hausanschlüsse als Ursache aufgeführt gewesen seien. Der Sozialdemokrat: „Die Politik hat sich damals damit beschäftigt aber nicht weiter gemacht.“

Bernd Döding, Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, verwahrte sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit: „Das ganze Netz ist untersucht worden.“ Mehr noch: Ein Forschungsprojekt des Landes sei auf die ganze Stadt ausgedehnt worden; das Problem kein rein Dolberger. „Wir haben so viel Zeit und Energie reingesteckt. Wir werden ein Konzept entwickeln, wie wir das Übel beseitigen können.“ Für den nichtöffentlichen Teil der Sitzung kündigte Döding eine Erklärung an. Öffentlich nur das: „Das Netz ist in Ordnung. Wir wissen, dass kein großer Anteil aus der öffentlichen Kanalisation kommt.“ Und: „Wir wissen, wo es herkommt.“

Harald Krämer (SPD) lieferte einen Situationsbericht. Das Wasser stehe auf den Straßen, staue sich an den Kanaldeckeln, laufe durch die Kellerfenster in die Häuser. Für die FWG rief Arne Engelbrecht dazu auf, auch den Schollbach ins Visier zu nehmen.

Der CDU-Antrag passierte einstimmig den Ausschuss. Der Zwischenruf eines Anwohners ließ aber mutmaßen, dass er – und andere – mehr erwartet hätten.

von Ulrich Gösmann

SOCIAL BOOKMARKS