Feuerkrebs: Gefahr lange unterschätzt
Bild: Dresmann
Hygieneboards in den Fahrzeugen machen es den Feuerwehrkräften möglich, sich während des Einsatzes Hände und Gesicht zu waschen. Ahlens Feuerwehrchef Walter Wolf macht es vor.
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„Das Thema der Einsatzstellenhygiene ist ein großes“, sagt Ahlens Feuerwehr-Chef Walter Wolf. Und sogleich eines, „bei dem wir noch vieles besser machen können“, sagt der 59-Jährige weiter und weiß auch, dass die niederländischen Brandbekämpfer bei dem Thema „wesentlich weiter sind als wir“.

Die Niederländer sind Vorreiter

Die Niederländer waren es auch, die das Thema jüngst in Feuerwehrkreisen wieder in die Diskussion gebracht haben. Studien zeigen dort ein erhöhtes Krebsrisiko für Feuerwehrmänner auf. Kurz genannt: Fire cancer, zu Deutsch: Feuerkrebs.

Bei der in Kürze anstehenden Führungskräftefortbildung der Ahlener Wehr „wollen wir alle in Bezug auf dieses Thema wachrütteln“, sagt Wolf. Zug- und Gruppenführer sollen diesen Aspekt nach Vorstellung Wolfs weiter in ihre Einheiten tragen.

Ein Beispiel verdeutlicht das Problem

Wann die Einsatzstellenhygiene wichtig wird, lässt sich an einem erdachten Beispieleinsatz verdeutlichen: Zwei Ahlener Wehrleute gehen in voller Schutzkleidung und mit Atemschutzgeräten auf dem Rücken in ein brennendes Wohnzimmer. Das Feuer können die beiden schnell löschen und transportieren anschließend die Reste der abgebrannten Möbelstücke aus der Wohnung.

Ist der Einsatz für die beiden beendet, „war es bisher eigentlich immer so, dass zuerst die Atemschutzmaske vom Gesicht genommen wurde und etwas getrunken wurde“, erinnert sich Wolf.

Die Dienstvorschriften geben die Richtung vor

Das soll jetzt anders laufen: Die Berufsgenossenschaft der Feuerwehr und auch die Handlungsanweisungen der Feuerwehr im Brandeinsatz empfehlen, die Maske samt Sauerstoffversorgung möglichst lange auf dem Gesicht zu lassen und vorher Helm, Handschuhe sowie die dreckige Brandschutzkleidung abzulegen. „So nimmt man die Gase aus der Kleidung nicht auf“, sagt Wolf.

„Das müssen wir jetzt in die Köpfe der Feuerwehrleute kriegen.“ Zwar steige die Sensibilität unter den Feuerwehrleuten, „doch wir sind lange viel zu locker mit dem Thema umgegangen“, resümiert Wolf.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der „AT“-Ausgabe vom 18. Februar 2020.

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