Forscher legen Teil eines Stadttors frei
Teile der alten Stadtbefestigung konnten auf der Baustelle an der Nordstraße bei Linnemann freigelegt und dokumentiert werden.

Doch die Forscher hoffen auf dem Gelände an der Nordstraße auf weitere Spuren der Vergangenheit. Schon der erste Fund war keine Überraschung, denn die ungefähre Lage des Schätzungen zufolge im 13. oder 14. Jahrhundert errichteten Nordtors war bekannt. Deshalb seien die  Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) von Anfang an in das Bauprojekt eingebunden gewesen, berichtet die städtische Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper. Als die Arbeiter Anfang März in sieben bis acht Metern Tiefe auf die Grundmauern der Westflanke des Tores stießen, riefen sie die Fachleute hinzu.

„Das ist schon etwas Besonderes, hier ein Stück Stadtbefestigung freizulegen“, sagt Wittkemper. „Schließlich haben wir hier nicht so ein Glück wie Soest, wo das alles noch steht.“ Der kurzfristig frei gewordene Blick in die Vergangenheit wird allerdings nun wieder verbaut. Die Firma Gosda legt das Fundament für einen Neubau. Damit trotzdem nicht nur ein flüchtiger Blick auf die steinernen Zeugen des Mittelalters bleibt, haben die Archäologen Fotos gemacht, die Mauern vermessen und deren Lage auf Karten verzeichnet. Die Auswertung der Daten ist noch im Gange. Derweil steht um die Osterzeit, also Ende April, voraussichtlich ein weiterer Fund an. Im Süden des Geländes hoffen die Historiker auf Reste der Stadtmauer zu treffen.

Die Bauarbeiten an geschichtsträchtiger Stelle sind für Wittkemper ein Glücksfall. „Es herrscht keine Schatzgräbermentalität, bei der man irgendwo einfach den Boden aufgräbt“, so die Denkmalpflegerin. Geforscht werden könne immer nur dort, wo Veränderungen und mögliche Zerstörungen der vermuteten historischen Überreste anstünden – eben etwa bei Ausschachtungsarbeiten. Auch wenn die Archäologen nicht auf Schatzsuche sind, gibt es doch etwas, auf das sie im Umfeld der Stadtbefestigung besonders gern stoßen würden. „Wir hoffen, die eine oder andere aussagekräftige Scherbe zu finden“, sagt Wittkemper. Denn diese seien eine großen Hilfe bei der Datierung der gesamten Funde.

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