Forum informiert über Trawniki-Lager
Bild: Uncredited/US Department of Justice/dpa
Im August war der ehemalige SS-Mann Jakiw P. nach Deutschland abgeschoben worden. Seitdem lebt der 95-Jährige in einem Pflegeheim in Ahlen. Das Forum Brüderlichkeit plant eine Veranstaltung, um über das Zwangsarbeiterlager Trawniki, in dem P. stationiert war, zu informieren.
Bild: Uncredited/US Department of Justice/dpa

„In Ahlen haben wir eine sehr gute Erinnerungskultur“, teilte Ulla Woltering, Fachbereichsleiterin Jugend, Soziales und Integration, auf „AT“-Anfrage mit. „Die Anwesenheit von Jakiw P. ist eng verknüpft mit den Gräueltaten, die während dieser Zeit verübt worden sind. Da lässt sich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Woltering hatte am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss über das Projekt informiert.

Termin im Herbst angepeilt

Für die inhaltliche Ausrichtung ist Manfred Kehr verantwortlich. „Über das Zwangsarbeiterlager Trawniki gibt es vergleichsweise wenige Informationen“, sagte der Historiker im „AT“-Gespräch. Seine Recherchen hätten ergeben, dass Trawniki ein Außenlager des Konzentrationslager Majdanek war. Für die Veranstaltung, die im Herbst stattfinden soll, will er Angelika Benz gewinnen, die das Buch „Handlanger der SS: Die Rolle der Trawniki-Männer im Holocaust“ veröffentlicht hat.

Ein weiterer Gast könnte Winfried Nachtwei sein. „Er hat in den vergangenen Jahrzehnten Prozesse gegen ehemalige KZ-Befehlshaber verfolgt“, sagte Kehr und hob das Verfahren gegen Oskar Gröning hervor, der wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt worden war. Gröning war für die SS von 1942 bis 1944 in der Verwaltung des KZ Auschwitz tätig. „Dieser Prozess hat ergeben, dass man nicht die individuelle Schuld nachweisen muss“, erläuterte Kehr. „Die Ergebenheit in SS-Netzwerken reicht aus, um verurteilt zu werden.“

Nicht gegen Jakiw P. mobil machen

Ein Prozess gegen Jakiw P. hat sich laut Kehr aufgrund der Indizienlage zerschlagen. „Er hat immer wieder betont, nur Wache gestanden und Brücken sowie Straßen gesichert zu haben. Und auch für ihn gilt der Grundsatz: ‚Im Zweifel für den Angeklagten.‘“ Kehr betonte ausdrücklich, dass man nicht gegen Jakiw P.s Anwesenheit in Ahlen mobil machen wolle. „Das ist eine humanitäre Angelegenheit“, sagte er.

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