Freispruch nach Zweifel an Aussagen
Wegen sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person stand ein 60-jähriger Ahlener am Dienstag vor Gericht. Da sich das vermeintliche Opfer, eine 77-jährige Ahlenerin, in Widersprüche verstrickte, wurde der Beschuldigte freigesprochen.

Am Ende des Prozesses mit der Vernehmung von vier Zeugen plädierten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft auf einen Freispruch, dem das Schöffengericht nachkam. Gerade die Aussagen des vermeintlichen Opfers (77), das unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört wurde, hatten Zweifel an der Schuld des 60-Jährigen genährt.

Dem Mann wurde zu Last gelegt, am 20. Dezember 2015 seine 77-jährige Mitbewohnerin unsittlich am Oberkörper berührt zu haben. Erst nach drei Minuten sei es ihr gelungen, ihn wegzustoßen. Am frühen Morgen des Folgetages soll es zu einem weiteren Übergriff gekommen sein. Die vermeintlich Geschädigte soll dabei geschlafen haben.

„Da ist absolut nichts dran“, sagte der Angeklagte. Seit Frühjahr 2015 habe er eine Beziehung mit der Frau geführt. „Wir haben uns geliebt, waren ein Paar und zogen zusammen“, sagte der Arbeitslose. Doch sei es oft zu Streitigkeiten gekommen. „Es ging immer nur um kaufen, kaufen, kaufen“, schilderte er. Seine Freundin habe oft auf seine Rechnung Möbel bestellt, die er nicht habe bezahlen können. „Die von der Spedition haben direkt einen Hals bekommen, wenn sie mich gesehen haben, da ich die Ware immer habe zurückgehen lassen.“

Solch ein Fall habe auch zu einem Streit am 20. Dezember geführt, bei dem er wüst beschimpft worden sei. Konfliktsituationen wie diese hätten den Angeklagten schon vorher so schwer belastet, dass er im August versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Eine Alkoholsucht sei hinzugekommen, woraufhin er eine psychiatrische Einrichtung aufgesucht habe. Seitdem sei ihm eine gerichtliche Betreuerin zur Seite gestellt worden.

Nach den Geschehnissen im Dezember hätte sich die Beziehung in eine Zweckgemeinschaft verwandelt – mit festen Zeiten, wer wann die Küche nutzen dürfe. Anfang des Jahres hätte seine Ex-Freundin ihm mitgeteilt, die Anzeige zurückziehen zu wollen. Doch aus Angst, sich selbst strafbar zu machen, hätte sie diese Idee wieder verworfen. Seit April lebe er allein in der Wohnung.

Mehr im „AT“ vom 27. April!

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