Gaffer behindern Rettungseinsatz
Bild: Jens Kalaene/dpa
Immer wieder werden Rettungssanitäter bei ihrer Arbeit behindert.
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Angesichts dieser „grotesken Situation“ ist Nicole Fischer der Kragen geplatzt. Sie hat der Ahlener Feuerwehr eine Nachricht geschickt, die diese später auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hat.

Gaffer stehen 30 Zentimeter von Trage entfernt

Darin dankt die unfreiwillige Zuschauerin den Einsatzkräften selbst ausdrücklich für die großartige Arbeit. Zugleich lässt sie über die Gaffer mächtig Dampf ab. „Einige standen nur 30 Zentimeter von der Trage entfernt, andere quetschten sich an der Unfallstelle noch vorbei“, schildert sie ihre Beobachtungen aus der Ferne im Gespräch mit dem „AT“. Sie habe sich fremdgeschämt für diese Personen.

Zur Mittagszeit sei sie aus Richtung Bahnhof kommend mit ihrer Mutter auf dem Weg in die Fußgängerzone gewesen, berichtet die 46-jährige Frau aus Beckum. Die Einsatzfahrzeuge sowie die über die Straße flitzenden Sanitäter seien ihr sofort aufgefallen. „Und natürlich die Menschentraube, die sich um den Einsatzort drängte“, sagt sie.

Verhallten ist pietätlos

Das Verhalten der Gaffer gegenüber der bewusstlosen Person stuft Nicole Fischer als pietätlos ein. Zwar heiße es, die Menschenwürde sei unantastbar, so die Beckumerin. Doch in diesem konkreten Fall hätten sich viele nicht daran gehalten. „Die Leute sollten sich mal überlegen, wie es ist, wenn sie selbst krank sind oder auf der Straße liegen“, gibt sie zu bedenken. Immerhin könne jeder in so eine Notlage kommen.

Absolut kein Verständnis hat Nicole Fischer auch für das Verhalten von Passanten gegenüber den Hilfskräften. Einige Helfer seien angepöbelt, andere bei ihrer Arbeit behindert worden. „Das geht gar nicht“, so die 46-Jährige. „Die Kräfte sind für uns im Dienst und helfen, Leben zu retten“, ergänzt sie. Dafür müssten ihnen eigentlich alle Menschen dankbar sein.

„Alle anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung“

Das sehen auch viele Facebook-Nutzer so. „Mädels und Jungs, Ihr leistet große Arbeit“, heißt es da. Oder: „Wer versucht, Menschenleben zu retten, braucht sich nicht zu entschuldigen. Es sollten sich vielmehr diejenigen entschuldigen, die gerempelt, gegafft und sich amüsiert haben.“ Weiter ist zu lesen: „Sehr traurig, wenn man nicht Hilfe anbietet und noch gafft“ und „Alle anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung“.

Jeden kann Notfall treffen

„Jeder kann von jetzt auf gleich in eine lebensbedrohliche Situation geraten. Wir wünschen uns in diesem Zusammenhang daher einen respektvollen und verständnisvollen Umgang mit den Betroffenen und den Einsatzkräften.“ Der Systemadministrator der Feuerwehr-Facebook-Seite hat sofort auf die gepostete Nachricht von Nicole Fischer reagiert und sich bedankt.

Respektlosigkeit wird größer

Im Gespräch mit dem „AT“ hebt Walter Wolf, Leiter der Ahlener Feuerwehr, dies ebenfalls hervor. Die Beobachtungen der Beckumerin deckten sich mit der Realität, sagt er. Seit einigen Jahren sei eine immer größer werdende Respektlosigkeit festzustellen. „Aber das trifft nicht nur die Feuerwehrleute“, sagt der Wehrführer. Auch andere Uniformierte sowie Lehrer oder Bürgerservicekräfte bekämen das zu spüren.

„Wenn früher ein Polizist einen Radfahrer ermahnt hat, wurde das akzeptiert. Heute wird erst diskutiert“, berichtet er von seinen Erfahrungen. „In der Gesellschaft hat sich etwas zum Nachteil gewandelt“, lautet sein Fazit.

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 1. März 2019.

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