Geschickt eingefädelt: Berger trotzt Frauen
Bild: Frielinghaus
Mit Draht im Schlips hoffte Ahlens Bürgermeister Dr. Alexander Berger, seinem Schicksal zu entkommen.
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Trotz größter Bemühungen und Anfeuerungsrufen ihrer Kolleginnen funktioniert es beim ersten Versuch nicht. Ist die Schere etwa stumpf? Nein, mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen verriet der Verwaltungschef kurz vor dem obligatorischen Akt an Weiberfastnacht: „So einfach möchte ich es den Frauen heute nicht machen. Ich habe Vorkehrungen getroffen.“ Feinsäuberlich hatte er ein Stück Draht in den Schlips gefädelt. Diesen mit einer handelsüblichen Schere zu durchtrennen, war unmöglich.

Zange benötigt

Aber auch dieser kleine Streich schützte Dr. Berger nicht vor dem Verlust seiner goldfarbenen Krawatte, die er passend zu seinem venezianischen Gewand ausgewählt hatte. Kurzerhand holte Andrea Ruwisch aus der Personalabteilung eine Zange. Und mit vereinten Kräften glückte es schließlich doch, das Stück Stoff samt Draht zu entzweien. Unter dem Jubel aller Karnevalistinnen hielt Michaela Mormann das Ende der Krawatte wie eine Trophäe in die Höhe. Die Macht im Rathaus oblag damit für einen Tag den weiblichen Mitarbeitern der Stadt Ahlen.

Der Bürgermeister ließ sie gern gewähren und nahm sein Schicksal mit Humor. Er kündigte sogar an, auch für den Rathaussturm an Weiberfastnacht in den kommenden Jahren gut gerüstet zu sein. „Ich habe noch einige alte Schätzchen im Schrank versteckt, die warten nur darauf, herausgeholt zu werden“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Zwei Premieren

Der Rathaussturm der Frauen hat eine lange Tradition. In diesem Jahr gab es allerdings ein paar Premieren. Zum ersten Mal wurde nicht das Besprechungszimmer des Bürgermeisters zur karnevalistischen Hochburg der Frauen, sondern einer der Sitzungssäle. Um sicher zu gehen, dass Dr. Berger sich nicht heimlich aus dem Staub machen konnte, holten die Frauen ihn mit einer Polonaise in seinem Büro ab.

Und auch die männlichen Mitarbeiter sollten in diesem Jahr etwas vom närrischen Treiben in der Stadtverwaltung mitbekommen. Sie durften ab zwölf Uhr zur Unterstützung des Bürgermeisters dazukommen und mitfeiern.

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