Handy am Steuer führt zu Unfällen
Bild: Voss-Loermann
„Hände weg vom Handy“ hieß es gestern auf dem Marienplatz in Ahlen, auf dem Polizeihauptkommissar Richard Rauer einen Parcours präsentierte, der den Blindflug bei einer Sekunde Unaufmerksamkeit am Steuer eines Autos zeigte.
Bild: Voss-Loermann

Gemeinsam mit Polizeioberkommissarin Dagmar Hille hat der Ordnungshüter am Mittwochmorgen auf dem Marienplatz einen Parcours aufgebaut, der genau diese 15 Meter anzeigt. Aufstellfiguren eines spielenden Kindes, eines Skaters, eines Hundes und einer Seniorin mit Rollator an der Strecke verdeutlichen die Gefahr, die in dieser Zeit von einem Auto ausgeht.

„Und es bleibt oft nicht bei einer Sekunde“, betont Dagmar Hille. Der Blick auf das Smartphone, die Sendersuche am Radio, das ankommende Telefonat und die herunter gefallene Zigarette binden die Aufmerksamkeit des Fahrers oft für mehrere Sekunden. Und dann verlängert sich der blind gefahrene Weg möglicherweise auf 30, 60 oder noch mehr Meter. „Wir erleben in unserem Polizeialltag immer wieder, dass solche Ablenkungen zu teils schweren Unfällen führen“, sagt Hille. Allein im vergangenen Jahr habe man in NRW 146 000 Verstöße mit Handys am Steuer aufgedeckt, wobei die Dunkelziffer sicher sehr viel höher sei. „Bei 182 Unfällen hat das Handy am Steuer eine Rolle gespielt. Dabei sind drei Menschen ums Leben gekommen“, verdeutlicht Rauer das Problem.

Deshalb seien die Polizeibeamten bei der Aufnahme eines Unfalls verpflichtet, Handys, die sich im Fahrzeug befänden, zu beschlagnahmen und auszulesen. „Dann kann man genau feststellen, ob zum Unfallzeitpunkt irgendwelche Aktionen auf dem Gerät stattgefunden haben.“ Dass man auch das Rauchen oder Essen am Steuer sein lassen solle, findet Dagmar Hille, auch wenn das bislang noch nicht verboten sei. „Alles, was vom Fahren ablenkt, ist potenziell gefährlich“, sagt sie. Dass Menschen, wie es so schön heiße, „multitasking“ seien und mehrere Dinge gleichzeitig aufmerksam erledigen könnten, habe sich in vergangenen Untersuchungen als Irrtum herausgestellt. „Schon, wenn ich ein Hörbuch eingeschaltet habe, kann es sein, dass ich plötzlich nicht mehr weiß, wie ich zu einem bestimmten Ort gekommen bin.“

Die Aktion der beiden Polizeibeamten fand große Aufmerksamkeit. Immer wieder traten Bürger an den Polizeiwagen heran und äußerten, wie notwendig eine solche Aktion im Sinne der Verkehrssicherheit sei.

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