Heimatfreund Ludger Schulte (92) gestorben
Ein Lebenskreis im Dienst an der Heimat hat sich geschlossen: Im Alter von 92 Jahren ist der engagierte Heimat- und Denkmalpfleger Ludger Schulte am 23. Dezember gestorben.

Wenn der Name Ludger Schulte fällt, denkt man unwillkürlich an eine westfälische Eiche, die kraftvoll verwurzelt in heimischer Erde den Stürmen des Lebens Poahl gehalten hat. Einen Baum mit vielen Zweigen und Ästen, die Zeichen der mannigfaltigen Begabungen Ludger Schultes waren. Einen Baum mit einer starken Rinde, die schon einiges aushalten konnte.

Zwischen Baum und Borke, hinter der von vielen empfundenen schroffen Art Schultes, verbarg sich im Kern ein Mensch auf der Suche nach Anerkennung und Zuneigung. Ludger Schulte machte es seinen Mitmenschen ob seiner direkten, zuweilen auch verletzenden Art, nicht einfach, ihn zu mögen.

Vielen war er zu unbequem. Zum Beispiel als Mitglied im Planungs- und Bauausschuss, wenn er sich im offenen Gegensatz zu dessen Vorsitzenden Herbert Faust und seiner Partei befand und – wenn es sein musste – auch gegen diese stimmte. Als Mahner legte er immer wieder den Finger in offene Wunden im Stadtbild, kämpfte um den Erhalt von Baudenkmalen, musste am Ende oft die Waffen strecken und den Abrissbirnen hilflos zuschauen.

Mit der CDU verband Schulte bis ins hohe Alter eine Art Hass-Liebe. Er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn er der Auffassung war, dass die Christdemokraten zu sehr dem Zeitgeist huldigten und übte offen Kritik an ihrem Personal. Das machte ihn jedoch für politisch Andersdenkende zu einem geschätzten Gesprächspartner. Über Parteigrenzen hinweg pflegte der Mann mit den Ecken und Kanten ein gutes Verhältnis zu SPD-Ehrenfraktions-chef Georg Schmiele und Alt-Bürgermeister Horst Jaunich sowie anderen.

„Bei uns ist einer, der an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ein schlechter Bürger.“ Dieses Zitat des athenischen Staatsmannes Perikles galt auch als Richtschnur für das Handeln Schultes in der Kultur- und Heimatpflege. So hat er sich als Verfasser der Schriftenreihe „Quellen und Forschungen“ bleibende Verdienste um die Stadtgeschichte erworben.

Mit seiner Sammlung an Kunst- und Kulturgüten hat er die Stadt Ahlen im Jahr 2009 beschenkt. Ihre Aufgabe wird es sein, das Vermächtnis Schultes der Nachwelt zu erhalten. Requiescat in pace.

Zur Person

Ludger Schulte wurde am 22. August 1920 als ältestes von neun Kindern des Studienrats Professor Dr. Wilhelm Schulte in Iserlohn geboren. Durch den Umzug der Eltern kam er nach Ahlen. Hier besuchte er die Schulen und legte 1939 das Abitur ab.

Zum Flugzeugführer ausgebildet war er an den verschiedenen Kriegsfronten in Italien, Tripolis, Frankreich und an der deutschen Ostfront im Einsatz. Zweimal wurde er schwer verwundet, einen Absturz im Januar 1945 bei Cottbus überstand er. Die letzten Kriegstage erlebte er in Berlin als Kurier zwischen Front und Führerbunker. Nach dem Selbstmord Hitlers am 30. April 1945 flüchtete er in die Heimat, die er im Juni 1945 erreichte. Danach arbeitete er in der Landwirtschaft, bevor er Ende 1947 das Lehrerstudium aufnahm.

Von 1949 bis zu seiner Pensionierung 1978 war er in Ahlen als Lehrer tätig. 1954 trat Ludger Schulte der CDU bei und war von 1969 bis 1994 Ratsmitglied. 1972 gründete er eine eigene Ortsunion Ahlen-Nord, deren Vorsitzender er bis 1991 war.

Ein Vierteljahrhundert war Schulte Vorsitzender des Kulturausschusses (1969 bis 1994), mit dem bis 1984 auch der Schulausschuss verbunden war. Ebenso lange war er Mitglied des Planungs- und Bauausschusses der Stadt Ahlen. Sein heimatpflegerisches Engagement begann 1946 mit der Neugründung des SGV-Heimatvereins, dessen Vorsitz Schulte von 1956 bis 1982 innehatte.

Seit der Gründung des Kreisheimatvereins 1952 war er auch in dessen Vorstand aktiv, von 1952 bis 1982 als stellvertretender Vorsitzender. Mehr als drei Jahrzehnte arbeitete er im Westfälischen Heimatbund mit. 57 Jahre wirkte er im Amt des ehrenamtlichen Denkmalpflegers der Stadt Ahlen.

Eines seiner Ehrenämter übte er mit besonderer Vorliebe aus: das des Vorsitzenden der Abiturientenvereinigung des Städtisches Gymnasiums.

SOCIAL BOOKMARKS