Hubert Färber sagt Kita St. Josef ade
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Eine Lanze für die Kinder bricht Hubert Färber: Er plädiert dafür, den Jungen und Mädchen mehr Zuwendung und Förderung zukommen zu lassen. Wünschenswert sind für ihn noch kleinere Gruppen in den Kindergärten.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Die Besonderheit: Er war der erste männliche Kindergartenleiter in ganz Westfalen.

Begabungen und Fähigkeiten fördern

Besondere Begabungen und Fähigkeiten müssten mehr aus den Kindern herausgekitzelt werden, ist sich Färber sicher. Statt immer mehr Bürokratismus am PC in den Einrichtungen wären kleinere Gruppen wünschenswert.

Am Freitag, 28. Februar, wird Färber offiziell verabschiedet. Um 11 Uhr beginnt der von ihm gewünschte Wortgottesdienst in der St.-Josef-Kirche. Er hofft, dass viele Bekannte, Freunde, Kollegen und Ehemalige vorbeischauen. Sollten diesem Ruf alle folgen, dürfte es in der Kirche eng werden. Immerhin war Färber in der gesamten Zeit für rund 1500 Kinder verantwortlich.

Hobby zum Beruf gemacht

Der Ahlener hat sein Hobby zum Beruf gemacht. So hat er sich von jeher stark in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Bis in die 1990er-Jahre hat er mehr als 20 Mal Ferienzeiten von St. Josef geleitet. Als Betreuer erinnert er sich noch gut an die alten Zeiten des kirchlichen Jugendtreffs „Canyon“. „Da haben wir am Wochenende 1400 Tickets für die Partys verkauft.“

Dem katholischen Kindergarten und der Kirchengemeinde St. Josef war Färber nicht nur durch seine Eltern und acht Geschwister eng verbunden, auch er selbst hat als Kind die Einrichtung besucht.

Erste Ferienfreizeit mit sieben Jahren

Bereits mit sieben Jahren nahm er an einer Freizeit in Holland teil, unter besonderen Umständen. „Eigentlich durften die Kinder damals erst ab zehn Jahren mitfahren“, sagt er. Doch er habe unbedingt mitgewollt. Der damalige Pfarrer habe dies mit einem Trick abwenden wollen und ihm gesagt, er müsse erst zwei Stufengebete der Messdiener aufsagen können. Also habe er sich hingesetzt und beide auswendig gelernt, berichtet Färber. „Und ich durfte mitfahren.“

Der ursprüngliche Berufswunsch von Hubert Färber war der Journalismus. Doch nachdem er noch vor dem Abitur das Städtische Gymnasium verlassen hatte, schwenkte er um. Es folgte die Erzieherausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamm. Ein einjähriges Vorpraktikum absolvierte er im Kindergarten St. Josef. 1977 fand er die erste Anstellung im kirchlichen Dienst im St.-Vinzenzhaus in Cloppenburg.

1978 Bewerbung um Kindergartenleitung

1978 bewarb er sich auf die Stellenausschreibung für die Kindergartenleitung in St. Josef in Ahlen. Ermutigt worden sei er vom damaligen Pfarrer Karl Lenfers, sagt er. „Zunächst habe ich abgelehnt“, so Färber. Doch die Liebe habe ihr Übriges getan.

Der eine geht, der andere ist schon da: Einen fliegenden Wechsel gibt es an der Spitze der Kindergartenleitung in St. Josef. Hubert Färber (l.) geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger André Grieger (44) aus Hamm wird schon seit Mitte des Monats eingearbeitet.
Durch die Schichtarbeit im Wohnheimbereich in Cloppenburg habe er nur selten freie Wochenenden gehabt, an denen sich eine Heimfahrt gelohnt hätte. Aus diesem Grund habe er sich ernsthaft mit dem Angebot beschäftigt und nach dem Durchlaufen des Bewerbungsverfahrens samt der Zustimmung des Kindergartenrates und des Kirchenvorstands die Leitung übernommen.

Für Behörden Neuland

„Für die zuständigen kirchlichen und staatlichen Behörden war das Neuland“, berichtet Färber mit einem Schmunzeln auf den Lippen. „Ich war der erste Mann in dieser Position im Einzugsgebiet.“

Sein Abitur holte Färber auf dem zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium in Beckum nach. 1987 heiratete er seine Ehefrau Gabi. Eine tragische Wendung nahm sein Leben mit deren überraschendem Tod im Jahr 1990. Mit dem Willen, sich von dem Verlust nicht unterkriegen zu lassen, suchte Färber neben seiner Arbeit nach Ablenkung. So studierte er Erziehungswissenschaften an der Uni in Münster.

Ehepaar hat vier Kinder

1995 heiratete Färber seine zweite Frau Lydia. Dabei spielte der Kindergarten St. Josef eine wichtige Rolle. Denn kennengelernt hatte er sie im Rahmen ihrer Ausbildung als Erzieherin in seiner Einrichtung. Das Ehepaar hat vier Kinder: Verena (24), Friederike (22), Julius (20) und Hannah (13). Nicht zu vergessen ist der treue Vierbeiner Madhu (indisch für Honig).

Letzter wird in Färbers Zukunft eine größere Rolle spielen. Denn der Ruheständler plant lange Spaziergänge mit seinem Hund. Ansonsten hat Färber noch keinen genauen Plan im Kopf. Außer sportlicher Betätigung will er zurück zum Journalismus und ein Buch schreiben.

Arbeitstitel für das Buch steht

Der Arbeitstitel steht schon: „Anekdoten“. Dabei geht es um das Leben und den Tod. „Es wird nicht tieftraurig und depressiv“, verrät der Autor, der schon immer geschrieben und Märchen erzählt hat. Vielmehr werde es darum gehen, dass es auch in einer Zeit der Trauer und Verzweiflung viele Dinge gebe, die Freude machten.

Zitate

„Noch heute erhalte ich offizielle Schreiben mit der Anrede ‚Frau Färber‘. Auch am Telefon werde ich manchmal gefragt, ob die Kindergartenleiterin zu sprechen ist.“

„Das Kindsein hat sich total verändert. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen dem, was Kinder vor 30 Jahren und heute verarbeiten müssen – gerade mit Blick auf die Technik und Medienlandschaft. In der heutigen Welt erbringen die meisten großartige Leistungen. Aber es gibt halt Ausreißer, die einer besonderen Förderung bedürfen.“

„Ich erkläre Kindern die Welt, die wir gemeinsam entdecken.“

„Manches Kind hat sich beim Theaterspiel im Kindergarten anfangs noch nicht einmal zugetraut, einen Baum zu spielen. Später sind sie sogar als Prinz aufgetreten.“

„Die drei Kostenträger Land, Kommune und Kirche unter einen Hut zu bringen, war nicht einfach. Da gefühlt immer einer der drei Geldgeber klamm war. Also mussten neue Strategien entwickelt werden. Dies geschah mit meinem Chef, Pastor Karl Döcker, 1992 durch die Gründung des Kindergartenfördervereins.“

„Rückblickend auf 43 Jahre als Erzieher habe ich durchaus mal Zweifel gehabt, ob ich den Anforderungen auf Dauer gewachsen bin. Schon als 30-Jähriger habe ich mir die Frage gestellt, ob ich als 40-Jähriger das Gequirle um mich herum haben könne. Irgendwie wiederholte sich diese Frage so ungefähr im Zehnjahresrhythmus. Die Antwort erübrigt sich.“

„Die leuchtenden Augen der Kinder, die Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft von so vielen Müttern und Vätern sowie von den Kollegen und Kolleginnen waren stets Antrieb, Lohn und Motivation.“

Hubert Färber

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