Jeder Verbraucher kann Beitrag leisten
Peter Schniederjürgen
Nadine Köttendorf, Frank Herrmann und Burkhard Engelke (v.l.) informierten in der Stadtbücherei über Fairen Handel.
Peter Schniederjürgen

„Fair einkaufen, aber wie“ ist nicht nur die Frage vieler Konsumenten. Es ist auch der Titel eines Buches von Martina Hahn und Frank Herrmann. Letzterer las am Donnerstagabend in der Stadtbücherei daraus und informierte über den „Fairen Handel“. Nadine Köttendorf, Gastgeberin und Leiterin der Volkshochschule, führte mit Burkhard Engelke, Vertreter des Weltladens Ahlen, in das Thema ein.

Standardbeispiel für den Fairen Handel ist der Kaffee- und Kakaohandel. Der Autor hatte sich selbst ein Bild von der Situation der Kaffeebauern in Lateinamerika gemacht, als er über längere Zeit dort lebte. So konnte er von den Lebensbedingungen der sehr armen Menschen dort intensiv berichten. Aber auch von den Chancen, die den Menschen dort durch den Zusammenschluss in Kooperativen ergeben. „Dabei ist das nicht auf Lateinamerika beschränkt, es zieht sich durch alle kaffeeproduzierende Länder“, sagte Buchautor Herrmann.

Besonders drastisch schilderte er die Situation im vergleichbaren Kakaoanbau. Hier kommt es noch immer zu massivem Einsatz von Kinderarbeit. Herrmann ging mit den Handelsketten scharf ins Gericht. „Sie haben schon vor Jahren den Verzicht von Kinderarbeit angekündigt“, hob er hervor. Doch bis auf wenige Vorzeige- oder Alibiprojekte sei davon nichts wirklich umgesetzt.

Hier sei besonders verwerflich, dass sich Konzerne an ein eingeführtes Fair-Trade-Label herangemacht haben. „Das optisch fast gleich ist, aber inhaltlich doch stark abweicht“, monierte Frank Herrmann. So enthalte diese Schokolade zwar fair gehandelten Kakao. „Das war‘s dann auch, der Rest des Inhalts ist nicht aus fairem Handel“, gab er zu bedenken. Das spare den Konzernen erhebliche Summen für Zucker und andere Rohstoffe. Es gibt dem Konsumenten das trügerische Gefühl, fair gekauft zu haben.

Was also kann der Verbraucher machen? Frank Herrmann sagte, dass der Verbraucher die Situation zwar nicht allein ändern könne. Hier sei ein Umdenken von Politik und Wirtschaft nötig.

Gleichwohl kann jeder Verbraucher seinen Beitrag leisten, indem er bei seinen Einkäufen auf „faire Produkte“ achte und dafür etwas mehr zu bezahlen. Die Produkte sind sicher in Weltläden zu erhalten.

von Peter Schniederjürgen

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