Keine Besucher mehr zum Gassigehen
Angelika Knöpker
Blick ins Katzenzimmer. Hier fühlen sich die Tiere wohl. Sie hätten aber auch gerne ein neues Zuhause
Angelika Knöpker

„Wenn das so weiter geht, kommen wir in ganz arge finanzielle Bedrängnis.“ Christiane Schäfer, engagierte Vorsitzende des Tierschutzvereins Ahlen und Umgebung, macht sich große Sorgen. Das Mammuttierheim in Tönnishäuschen ist seit 16. März für den Publikumsverkehr geschlossen. „Jetzt gibt es keine spontanen Besucher mehr, die unsere Tiere sehen und adoptieren oder mit ihnen Gassi gehen wollen“, sagt sie. Da sei auch niemand, der einen Beitrag in die aufgestellte Spendenbox wirft und so dazu beiträgt, die Kosten zu minimieren.

Und Kosten gibt es genug. „Wir haben acht Vollzeitkräfte in Festanstellung und zwei Auszubildende“, so Christiane Schäfer. Ohne die könnten die Aufgaben in den sechs Häusern und Quarantäne-Einrichtungen gar nicht bewerkstelligt werden.

Nur zufriedene Tiere können vermittelt werden

Das Geld ist gut investiert, denn alle Unterbringungsmöglichkeiten für die derzeit 68 Katzen und 25 Hunde sind in einem tadellosen sauberen Zustand, die Tiere fühlen sich sichtlich wohl, in den Katzenhäusern gibt es Spielzeug, rund um die Uhr Trocken- und einmal am Tag Nassfutter. „Das wichtigste ist, dass es den Tieren gut geht. Nur zufriedene Hunde und Katzen können auch vermittelt werden“, sagt die Vorsitzende.

Neben den täglichen Wäschebergen müssen im mit der Deutschen Tierschutzplakette ausgezeichneten Heim derzeit alle Hunde von den Mitarbeitern persönlich Gassi geführt werden, mindestens 45 Minuten am Tag. „Vor der Schließung gab es Bürger und Adoptionswillige, die diese Aufgabe übernommen haben“, bedauert Mitarbeiterin Anya Haffert die Zusatzbelastung und gesteht: „Das ist zurzeit richtige Maloche, abends bin ich fix und fertig und möchte nur noch schlafen.“ Die Bedrohung durch das Coronavirus habe man sehr ernst genommen und Hygienevorschriften noch verschärft. In einer Krisensitzung am 16. März war die sofortige Schließung des Tierheims aus Sicherheitsgründen beschlossen worden.

„Corona ist für uns eine Katastrophe“, sagt Christiane Schäfer. Im April und Mai gäbe es wieder eine Katzenschwemme, die zu erhöhten Kosten führe. „250 Euro kostet jede Katze: Kastration, zwei Impfungen, Chippen, Entwurmen und eventuelle Behandlungen bei Milben- oder Flohbefall oder Versorgung von Wunden.“ Dem gegenüber stehe eine Vermittlungsgebühr von nur 100 Euro. Tierarztkosten in Höhe von 10 000 Euro seien noch offen, Kosten für Energie, Wasser, Futter und Strom summierten sich. Nicht zu vergessen die Personalkosten.

Bauernhöfe für Freiläufer

Einige scheue Katzen würden an Landwirte verschenkt, damit sie freien Auslauf haben. Im Tierheim haben sie sich in den obersten Winkel des Freilaufgeheges verkrochen und kommen nur zum Fressen runter. „Auch wenn die Kommunen im Kreis die Zuschüsse für das Tierheim moderat erhöht haben, reicht das bei weitem nicht aus“, bedauert die Vorsitzende. Sie appelliert an alle Tierfreunde, sich im Internet die Fundtiere anzuschauen und über eine Annahme nachzudenken. Ganz besonders am Herzen liegt den Mitarbeitern Dackelmischling Max. Er ist neun Jahre alt, geht gut an der Leine, lässt sich von jedem führen, wenn die Chemie stimmt und ist mit Leckerlis bestechlich. Ideal für Max wäre eine ältere Dame, wünscht sich Anya Haffert eine neue Besitzerin. Für Adoptionen ist das Tierheim jeden Tag ab 15 Uhr unter der Rufnummer 0 25 28 / 36 30 erreichbar.

von Angelika Knöpker

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