Keine Panik: Krankenhaus ist gerüstet
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Eine besondere Schutzkleidung und die strengste Einhaltung von Hygieneregeln sind wichtig, wenn bei einem Patienten der Verdacht auf eine Ebolainfektion besteht.
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Wäre man am Ahlener Krankenhaus gerüstet, einem derart tödlichen Erreger zu begegnen? Das „AT“ hat nachgefragt beim Hygienebeauftragten Dr. Thomas Haug, der gleichzeitig einer von zwei Ärztlichen Direktoren des Hauses ist.

„Wir haben schon vor Jahren einen Alarmplan entwickelt, um hochansteckende Viruserkrankungen mit einer Sterblichkeitsrate von mehr als 50 Prozent wie SARS, dem Denguefieber oder jetzt eben Ebola zu bekämpfen“, sagt der Chefarzt für Unfallchirurgie und gibt sich dabei völlig gelassen. Dass ein solcher Fall möglicherweise gar nicht eintreten werde, befreie die Ahlener Klinik nicht davon, für den Fall der Fälle optimal gerüstet zu sein.

Teil des Planes sei es, die aus zwei Stationen bestehende Kinderklinik, die in einem eigenen Gebäude untergebracht und daher räumlich vom übrigen Krankenhaus getrennt sei, komplett zu räumen und sie innerhalb kürzester Zeit zu einer hermetisch abgeschotteten Isolierstation umzufunktionieren. Um die Mitarbeiter zu schützen, halte man seit Jahren im Ahlener Krankenhaus eine Infektionsschutzbox mit Ganzkörperanzügen, Handschuhen und Atemschutzmasken vor, die sofort zum Einsatz käme.

„Gemeinsam mit den Internistischen Chefärzten, Dr. Norbert Müller und Dr. Volker Kühlkamp, würde ein Behandlungsplan erstellt, nach dem ein ausgewählter erfahrener Oberarzt und besonders geschultes Pflegepersonal die Betreuung des Patienten übernehmen würde“, erklärt der Arzt das weitere Vorgehen. Dieses Team wäre selbstverständlich nicht für weitere Patienten verfügbar, und zwar so lange, bis der Prozess komplett abgeschlossen sei.

„Sollte ein solcher Verdacht aufkommen, werden sofort vier Personen alarmiert, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit: Der Verwaltungsdirektor, die Hygienefachkraft, die Pflegedienstleitung und ich als Hygienebeauftragter des Krankenhauses. Innerhalb einer Viertelstunde wären wir vor Ort, um geeignete Maßnahmen einzuleiten,“ ist der Chefarzt sich sicher, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.

„Krankenhäuser arbeiten mit Gesundheitsministerium zusammen“

Höchste Priorität habe, dass Patienten mit einem Verdacht auf eine hochansteckende Viruserkrankung wie Ebola gar nicht erst im Krankenhaus vor Ort aufgenommen, sondern direkt in einen Hochsicherheitstrakt in der Universitätsklinik in Düsseldorf als Referenzzentrum gebracht würden, so der Hygienebeauftragten, Dr. Thomas Haug. „Dafür arbeiten alle Krankenhäuser mit dem Gesundheitsministerium zusammen, das uns unterstützt.“ E

Dr. Thomas Haug, Ärztlicher Direktor und Hygienebeauftragter am St.-Franziskus-Hospital, sieht seine Klinik gut gerüstet.
in Anruf bei der zuständigen Stelle, dem Infektionsschutzdienst, hätte die sofortige Aussendung eines Spezialfahrzeugs nach Ahlen zur Folge, mit dem der Patient sicher in die Landeshauptstadt transportiert werden könne.

Gleichzeitig werde es eine Meldung an das Gesundheitsamt des Kreises Warendorf geben, das eventuell erforderliche Maßnahmen überwachen werde. Dennoch sei es nicht auszuschließen, dass ein Patient mit dem Verdacht auf die potenziell tödliche Krankheit bei seiner Suche nach medizinischer Hilfe zumindest die Notaufnahme betrete, dort also möglicherweise Viren vorhanden sein könnten. „Der komplette Bereich wird dann geräumt und von Grund auf desinfiziert. Wir verfügen derzeit über ein hochmodernes Desinfektionsmittel, das alle Viren abtötet“, beruhigt Dr. Haug.

Alle Personen, die mit dem eventuelle Infizierten Kontakt gehabt hätten, müssten darüber hinaus für eine gewisse Zeit in Quarantäne, entweder bis der Verdacht ausgeräumt oder die Inkubationszeit verstrichen sei.

Hintergrund

Das Robert-Koch-Institut informiert über das Ebola-Fieber folgendermaßen:

„Es ist eine vergleichsweise seltene Erkrankung. Im März 2014 wurde ein Ausbruch, hervorgerufen durch das Zaire-Ebolavirus, im westafrikanischen Guinea bekannt. Von dort hat sich das Geschehen auf Nachbarstaaten ausgeweitet und stellt den bislang größten jemals erfassten Ebola-Fieber-Ausbruch dar. Unabhängig davon wurden im August 2014 mehrere Fälle in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist durch den direkten Körperkontakt mit an Ebolafieber erkrankten oder verstorbenen Menschen oder durch den Kontakt mit deren Blut oder anderen Körperflüssigkeiten möglich. Es gibt keine Hinweise auf eine Übertragung von Viren auf den Menschen durch die Atemluft. Ebolaviren können außerhalb des Körpers einige Tage infektionsfähig bleiben. Eine Ansteckung über Gegenstände wie Spritzen, die kontaminiert sind, ist daher möglich. Auf Oberflächen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt oder getrocknet sind, überlebt das Virus nur wenige Tage.“

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