Kunst: Fliegende Wünsche am Apfelbaum 
Die Pappe, auf der die Silberscheiben beim Besprühen lagen, ist Teil des Kunstprojekts an der Hans-Radl-Schule in Wien.

Für sein erstes Projekt mit dem Titel „Wenn Farben sich berühren“ war der 59-Jährige im Juni des vergangenen Jahres vom österreichischen Bundesministerium für Bildung im Rahmen des Kreativwettbewerbs „Projekteuropa 2013_2014“ ausgezeichnet worden. Das 16-teilige Wandbild, dessen Fragmente jeweils 50 mal 50 Zentimeter groß sind, war im September 2013 an der Hans-Radl-Schule entstanden. Brückner hatte es mit zehn Schülern der fünften Klasse realisiert.

Mit diesen Schülern hat er vor kurzem auch das neue Projekt gestartet. Dabei wurden große und kleine Wünsche auf 60 CDs geschrieben und gezeichnet, die Rückseiten noch mit grüner Farbe besprüht und anschließend in einem alten Apfelbaum im Garten aufgehängt. „Als am nächsten Tag die Sonne hervorkam, freuten sich alle über schillernde Reflexionen der ‚fliegenden Wünsche‘ in ihren Klassenräumen“, schwärmte Monika Binder, Lehrerin und Kulturbeauftragte der Hans-Radl-Schule.

„Gespräche über Wünsche können dazu führen, dass man Bedürfnisse – eigene oder auch die anderer – versteht“, teilte sie dem „AT“ mit. Mit der Gestaltung eines Wunschbaumes im Schulgarten der Hans-Radl-Schule sei dieser Gedanke auf besondere Weise umgesetzt worden.

Die Sechstklässler der Hans-Rad-Schule in Wien beteiligten sich mit Feuereifer an der Kunstaktion.
Bei den Überlegungen im Vorfeld seien die Kinder schnell vom neuen Fußball bei weniger Streit, einer Familie und warmen Wohnungen gelandet. Zudem seien Wünsche wie „Es soll keinen Hunger mehr geben“ oder „Religionen sollen kein Grund mehr für Kriege sein“ formuliert worden.

„Die Kinder sind einfach großartig“, sagte Brückner. Besonders beeindruckt habe ihn einmal mehr, mit welcher großen Leidenschaft und Freude sie ans Werk gegangen seien – trotz ihrer körperlichen Probleme (Glasknochenkrankheit und Ähnliches). Überrascht habe ihn, welche zum Teil tiefgreifenden Gedanken sich die Sechstklässler gemacht hätten. „Das hätte ich nicht unbedingt erwartet“, räumte er offen ein.

Spannend sei auch die Suche nach der richtigen Farbe für das Besprühen der CD-Rückseiten gewesen. Erst hätten Silber und Rot im Raum gestanden, bevor zwei Mädchen die zündende Idee gehabt hätten, die Farbe Grün zu wählen. „Weil das die Farbe der Hoffnung ist.“

Nachhaltigkeit ist wichtig

Wichtig ist Brückner die Nachhaltigkeit bei dem jüngsten Projekt. „Es ist noch nicht abgeschlossen“, erklärte er. Jederzeit könnten neue CDs mit neuen Wünschen am Apfelbaum platziert werden – sowohl von den Schülern als auch von Lehrern.

Damit jeder die unterschiedlichen Wünsche der Schüler sehen kann, hat sich der Ahlener Künstler etwas einfallen lassen. Vor dem Besprühen der Rückseiten hat er die CDs auf eine große Pappe gelegt, so dass später noch die Umrisse der

Der Ahlener Künstler Manfred Brückner (3. v. l.) setzte sein zweites Kunst-Projekt in Wien um.
Silberscheiben zu erkennen waren. Und in diesen Feldern wurden die Wünsche noch einmal handschriftlich verewigt. Die Pappe wurde danach im Schulgebäude aufgehängt. „Es kann ja nicht jeder in den Apfelbaum klettern, um die Wünsche zu lesen“, erklärte Brückner. Gleichzeitig komme es auf diese Weise zu einer Art stillem Dialog zwischen der Pappe drinnen und dem Apfelbaum draußen. „Damit schließt sich der Kreis“, so Brückner.

Sicher ist, dass die Zusammenarbeit zwischen der Hans-Radl-Schule und dem Künstler fortgesetzt wird. „Nach Ostern geht es weiter“, so Brückner, ohne Einzelheiten zu verraten.

Hintergrund

Die Hans-Radl-Schule, öffentliche Volks-, Haupt- und Sonderschule für körperbehinderte Kinder, wurde Ende der 1950er-Jahre erbaut und durch den Visionär und Gründer, Regierungsrat Hans Radl, eröffnet. Seinem Traum folgend, präsentiert sich die Einrichtung heute als modernes Zentrum für behinderte und nicht behinderte Kinder und bietet nach eigenen Angaben eine breite Palette an pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen zur Förderung und Begleitung der Kinder.

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