Kunstprojekt: Schüler zeigen ihre Seele
Bilder: Jotzeit
Stolz sind die Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Schule auf ihre beiden Werke. In den Osterferien fahren sie für eine Woche nach Ernestinovo (Kroatien), um direkt vor Ort zu arbeiten.
Bilder: Jotzeit

„Das sind meine Wünsche und Hoffnungen“, erklärt sieund weist auf eine Sprechblase mit Zeichnungen hin.

Neben Merve arbeiten 17 weitere Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Schule an dem farbenfrohen Bild sowie an einem gleichgroßen Papierstück, auf dem ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle in Textform stehen. Beide Arbeiten stehen im direkten Zusammenhang mit dem internationalen Kunstprojekt „Die Welt, das Dorf, die Liebe“.

„Alle machen begeistert mit“, schwärmt Kunstpädagogin Ulla Niehues. „Die Schüler geben ihre Seele her“, sagt sie. Besonders beeindruckt sei sie von der Ehrlichkeit der jungen Menschen. In ihren Bildern und Texten verarbeiteten sie ihre Sorgen, Ängste und Nöte, aber auch ihre Sehnsüchte und Zukunftsperspektiven.

Vorausgegangen war ein Kontakt zu einer siebten Klasse in Ernestinovo (Kroatien). Die noch fremden Schüler hatten 20 Briefe geschickt, in denen sie ihre eigene Situation schilderten. Dazu gehörten auch die Nachwirkungen des Krieges und die persönliche Lebenssituation. Die Briefe waren von zwei Schülern der Geschwister-Scholl-Schule übersetzt und vorgetragen worden.

Merve Oroc (l.) und Gizem Atilgan sind mit großem Eifer bei der Arbeit.
„Auf diese Briefe wollen wir nun antworten und unsere eigenen Wünsche spiegeln“, erklärt der Ahlener Künstler Manfred Brückner, der den Stein an der Hauptschule ins Rollen gebracht hat. Seine künstlerische Weggefährtin Milica Reinhart hat das von der Europäischen Union (EU) geförderte Vierjahresprojekt angestoßen, an dem sich nicht nur Jugendliche aus mehreren Ländern beteiligen, sondern auch eine Gruppe von internationalen, professionellen Künstlern.

Mit Milica Reinhart, die 1958 in Djakova (Kroatien) geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam, verbindet Brückner eine intensive Freundschaft. Seit 2011 haben sie mehrere Kunstprojekte durchgeführt. Und obwohl Milica Reinhart nach 48 Jahren zu ihren Wurzeln nach Kroatien zurückgekehrt ist, wird die Zusammenarbeit fortgeführt.

Für Brückner war es daher selbstverständlich, seine Kunstkollegin bei dem EU-Projekt zu unterstützen. Bereits am kommenden Mittwoch, 5. November, reist er zu ihr nach Kroatien. Dabei wird der Ahlener Künstler einen ersten Teil der Schülerarbeiten, das Papierwerk mit den Texten, im Gepäck haben. Die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule freuen sich indes schon auf die Osterferien. Dann werden auch sie für eine Woche nach Kroatien reisen und das zweite Bild mitbringen. 

Hintergrund

Bei dem Kunstprojekt „Die Welt, das Dorf, die Liebe“ kommen Jugendliche aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und ethnischen Hintergründen in einem Kunstlabor zusammen. Dort finden sie den Raum zur gemeinsamen Arbeit und können eigene Gedanken und Gefühle zeigen.

Ausgangspunkt sind poetische Texte der Jugendlichen, entnommen privaten Aufzeichnungen, Tagebüchern, Briefen oder Songtexten. Eine Gruppe von internationalen Künstlern unterstützt die Jugendlichen und wirkt über verschiedene künstlerische Methoden mit, die Aussagen visuell über Farbe und Form zu vertiefen.

Die Ergebnisse des Labors werden detailliert dokumentiert und bilden die Grundlage für weitere Labore in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Slowenien. Dort starten die Künstler der Partnerorganisationen ihrerseits Kunstlabore mit Jugendlichen und arbeiten mit den gleichen künstlerischen Herangehensweisen des Bildersammelns.

Bei dem Projekt sollen sich die jungen Menschen mit künstlerischen Positionen darüber austauschen, was aus der jeweiligen Perspektive der jungen Menschen in den anderen beteiligten Ländern relevant ist. Nach dem Abschluss der dreijährigen Arbeitsphase findet eine gemeinsame internationale Kunstausstellung statt.

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