Kunstverein präsentiert „Nackte Tiere“
Bild: Voss-Loermann
Ihre Installation „Am Zaun“ haben Jana Kerima Stolzer und Alex Rütten in leuchtende Glaskästen gebannt.
Bild: Voss-Loermann

Wenn über einer Kunstausstellung der Titel „Nackte Tiere“ steht, dann erwartet das geneigte Publikum weder kunstvoll drapierte Scherbenhaufen oder -stelen noch computergenerierte Poesie oder Installationen. Beim Kunstverein Ahlen werden  Besucher aber genau das finden, wenn Beate Höing ihre aus Porzellan geformten und aus Scherben zusammengesetzten Konstrukte präsentiert.

Poetische Reise mit traurigem Fernsehschirm

Das Künstler-Duo Jana Kerima Stolzer und Alex Rütten hingegen nimmt die Besucher mit auf eine poetische Reise mit einem traurigen weil kaputtem Fernsehschirm und zeigt eine künstliche Welt mit Hochregallagern von außen, mit Drohnen, in denen Menschen nur noch als „Picker“, wie bei einem großen Versandhaus, eine Rolle spielen.

Allein Klaus Geigle und seine Bilder entsprechen auf den ersten Blick dem Titel, weil es tatsächlich eine Serie mit Nackthunden gibt, die aber eigentlich „Hässliche Hunde“ heißt.

Originelle und unterschiedliche Positionen

Ausgedacht hat sich den Titel der Künstlerische Leiter des Kunstvereins Ahlen. Kreativ wie stets, hat Ruppe Koselleck vier Münsteraner Künstlern die Gelegenheit verschafft, ihre fraglos originellen und total unterschiedlichen künstlerischen Positionen zu präsentieren.

Titel nicht willkürlich entstanden

Der theoretische Überbau, dem der Titel entspringt, ist aber nur scheinbar willkürlich entstanden. Denn was sind nackte Tiere anderes als alle Menschen? „Wir sind die einzigen Lebewesen, die Kleidung brauchen, um uns zu schützen“, erläuterte Koselleck am Dienstag bei der Pressekonferenz die Idee zum Titel.

Gemeinsamkeiten des Humanen feststellen

Dieser sei als eine Klammer zu verstehen, die weit entfernte Positionen miteinander in Verbindung bringe, sagt Vorstand Gerd Buller. Das Ziel sei es, überraschende, poetische und periphere Gemeinsamkeiten des Humanen selbst festzustellen.

Der Mensch: unfertig und unbekleidet

„Der Mensch ist das nackte Tier, seinem Wesen nach unfertig und unbekleidet, und es bedarf der Kultur, der Erziehung, der Konstruktion einer Wirklichkeit, die ihm das Überleben sichert“, hilft Gerd Buller möglichem Unverständnis auf die Sprünge.

Nackte Tiere als Handelnde

Und genau dieses Bedürfnis befriedigen die vier Münsteraner Künstler mit ihren Kreationen. Denn das sieht man, wenn man die Stadtgalerie betritt: Kreationen, in denen „Nackte Tiere“ als Idee vorhanden sind, als Handelnde, meist aber nicht als Dargestellte. 

Lesen Sie mehr in der „AT“-Ausgabe vom 28. August

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