LGS-Aus vor sechs Jahren: Wehmut in Ahlen
Bild: Detlef Peter Jotzeit
Pure Begeisterung und Gänsehaut-Gefühle: Wie aus einer Kehle erklang am 4. Mai 2011 das LGS-Lied „Kommt nach Ahlen“ auf dem Marktplatz und verzauberte nach nur drei Proben die staunenden Jury-Mitglieder. Trotz einer beispiellosen Unterstützungsaktion machte Ahlen nicht das Rennen bei der Landesgartenschau-Bewerbung.
Bild: Detlef Peter Jotzeit

Die Enttäuschung in Ahlen war dementsprechend groß, als am 1. Juni 2011 Johannes Remmel, NRW-Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, die Entscheidung offiziell bekanntgab. Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sowie tausende Ahlener gehofft, dass die Landesgartenschau 2017 unter anderem auf dem Zechengelände Westfalen 1/2 durchgeführt wird. Zumal das Stadtentwicklungskonzept „Ahlen im Trialog“, das der Bewerbung zugrunde lag und bei dem die Werse, die Olfe und die Zechenbahntrasse ein 11,1 Kilometer langes Dreieck bilden sollten, schlüssig war.

Traurig war nicht nur das Redaktions-Maskottchen Attila, als die Stadt Ahlen vom NRW-Ministerium in Düsseldorf die Absage für die Landesgartenschau 2017 erhielt
In seltener Harmonie und über alle Parteigrenzen hinweg zogen die Ahlener damals an einem Strang. Von einem neuen Wir-Gefühl, Aufbruchstimmung und einer Welle der Begeisterung war die Rede. Die wohl eindruckvollste Demonstration der Geschlossenheit war der Schulterschluss der Bevölkerung bei der Bereisung der Bewertungskommission am 4. Mai. An diesem Tag gingen rund 8000 Ahlener auf die Straße und rührten mit einer Vielzahl von Aktionen kräftig die Werbetrommel für den Standort Ahlen.

Um die Juroren zu beeindrucken, stand die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes Kopf, unter anderem durch Sportler im Berliner Park. Zudem wurde getanzt, gepaddelt und gemalt. Darüber hinaus waren tausende Blumen gepflanzt worden, und überall standen Ahlener mit ihren schrillen gelb-orangenen LGS-T-Shirts. Echte Volksfeststimmung herrschte auf dem Marktplatz. Dort ließen Jung und Alt die LGS-Hymne „Kommt nach Ahlen“ erklingen und verzauberten damit die Jury.

Jede Bewerbung ist eine Chance

„Wir lassen den Kopf nicht hängen.“ Direkt nach der Absage für die Landesgartenschau (LGS) 2017 in Ahlen hat sich vor sechs Jahren der damalige Bürgermeister Benedikt Ruhmöller kämpferisch gegeben. Das Projekt „Ahlener Trialog“ werde in Angriff genommen, kündigte er an. Die Umsetzung werde nur etwas länger dauern. „Die Ahlener wollen das Wegedreieck entlang von Olfe, Werse und Zechenbahn“, sagte er damals. Das sei bei der Bereisung der Jury deutlich geworden.

Gut sechs Jahre später ist Ruhmöller noch immer begeistert von dem Projekt. Das Konzept des Planungsbüros Davids, Terfrüchte und Partner sei schlüssig und mitreißend gewesen. „Dadurch sind vielen Ahlenern die Augen geöffnet und neue Möglichkeiten aufgezeigt worden“, sagt Ruhmöller.

Im Vorfeld sei die LGS kommunalpolitisch und verwaltungstechnisch durchaus ein strittiges Thema gewesen, erinnert er sich nicht zuletzt mit Blick auf die Kosten. Doch das Planungsbüro habe alle überzeugt. Nicht nur der Rat habe letztendlich einstimmig das Vorhaben abgesegnet. Schnell habe sich auch die Bevölkerung von der „Wahnsinnschance“ überzeugen lassen und sich euphorisch hinter das Projekt gestellt, so Ruhmöller. Eindrucksvoll sei das sichtbar geworden, als die Bewerbungskommission vor Ort gewesen sei. „Mehr als 8000 Menschen haben sich an den Aktionen beteiligt“, rekapituliert er. Da seien ein ganz starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und Aufbruchstimmung zu spüren gewesen.

Benedikt Ruhmöller steht hinter dem LGS-Gedanken.
An dem Projekt weiterzuarbeiten, dazu habe ihn damals der zuständige NRW-Umweltminister Johannes Remmel ermutigt, sagt Ruhmöller. Der Minister habe ausdrücklich die tolle Präsentation gelobt und schon damals eine weitere Unterstützung des Landes zugesagt. Letztendlich sei dadurch der Weg freigenmacht worden, einige Bereiche der Stadt aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Aktuell gelte das für den Berliner Park. „Dafür kann die Stadt nur dankbar sein“, sagt er.

Persönlich findet Ruhmöller das „Wege-Dreieck“ faszinierend. Damit würden nicht nur Grenzen in der Stadt überwunden und Wege verkürzt. Auch die Verkehrssicherheit werde erhöht. Zudem werde die Stadt touristisch attraktiver gemacht.

Vorstellbar ist für Ruhmöller auch eine erneute LGS-Bewerbung. „Das ist für jede Stadt eine Chance“, sagt er. Grundlage müsse aber erneut ein anspruchsvolles Konzept sein, das den Strukturwandel im Blick habe. „Und keine Blümchenschau.“

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 12. April.

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