Mädchen brauchen weltweit Gerechtigkeit
Der Chor „Cross Over“ der Kreismusikschule trat bei der Eröffnung der Ausstellung „Weil wir Mädchen sind...“ in der Lohnhalle der Zeche Westfalen in Ahlen auf.

Mit dem herkömmlichen Begriff Erlebnis hat die zum Nachdenken anregende Ausstellung allerdings nur wenig gemein. Denn in drei Themenzellen geben Djenebous aus Mali, Ashas aus Indien und Yoselins aus Ecuador Einblicke in ihr Leben – und dokumentieren so die in der Tradition verankerte Benachteiligung von Mädchen in der Gesellschaft. Das reicht vom Verweigern des Schulbesuchs über einen streng organisierten Tagesplan bis hin zum Abtreiben weiblicher Föten wie etwa auch im wirtschaftlich und gesellschaftlich aufstrebenden China, weil dort Mädchen in der Gesellschaft benachteiligt sind. Oftmals ist aber auch der Weg infolge der wirtschaftlichen Situation der eigenen Familie vorgezeichnet.

Es sind nur drei Lebensbeispiele von Unzähligen, die es heute noch über die Welt verteilt gibt. Der vierte, ausgesprochen sensible Themenbereich befasst sich mit der Genitalverstümmelung, in mehr als 30 Staaten Afrikas ein in der Tradition verankertes und praktiziertes Ritual. Die als interaktives Erlebnis ausgerichtete Mitmach-Ausstellung demonstriert beeindruckend die Gegensätze zwischen dem Leben hierzulande und in einem Entwicklungsland. Sie erlaubt tiefe Einblicke in sehr unterschiedliche Traditionen und Gesellschaften.

Schauspielerin Nina Vorbrodt (Köln) berichtete als „Plan“-Patin eines Kindes in Sri Lanka zeitweise mit stockender Stimme über ihre Patenschaft und setzte sich in einem emotionalen Appell dafür ein, die Benachteiligung von Mädchen zu beenden. „Mädchen brauchen weltweit Gerechtigkeit“, rief sie dem Publikum zu und warb so auch für die Unterstützung der Arbeit des Kinderhilfswerks „Plan International“.

Vorbrodt zeigte sich im übrigen sehr angetan von der einstündigen Ausstellungseröffnung, bei der John und Nkwabi (Bagamoyo/Tansania) sowie der Jugendchor „Cross Over“ der Musikschule das Rahmenprogramm gestalteten. „Ich habe schon viele furztrockene Eröffnungen mitgemacht“, meine die Kölnerin, aber diese Veranstaltung in der alten Lohnhalle sei das genaue Gegenteil. Und weiter an den VHS-Leiter Rudolf Blauth gewandt: „Wie haben Sie das nur gemacht?“

Mehr im „Ahlener Tageblatt“ vom 13. Juni.

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