Menschenkette als Zeichen gegen Rassismus
Bild: Engelbrecht
Auf der Friedrich-Ebert-Straße kamen die Ketten beider Schulen zusammen. Einige Schüler hatten teils selbstgemalte Plakate mitgebracht, mit denen sie auf Toleranz und Respekt aufmerksam machten.
Bild: Engelbrecht

Und damit behielt er recht. Das Chaos blieb am Donnerstag aus. Die Mädchen und Jungen des Städtischen Gymnasiums (SGA) sowie der Overbergschule setzten damit ein Zeichen gegen Rassismus. Eine Aktion, die SGA-Schulleiter Meinolf Thiemann befürwortet.

Rund 1150 Schüler verbinden sich

Dass dafür eine Stunde ausfiel, sieht er gelassen. „Es ist ein Irrglaube, dass man nur im Unterricht lernt“, betonte er, während er sich kurz vor Start ein Bild vom „organisierten Chaos“ auf dem Schulhof machte. „Das, was heute passiert, ist soziales Lernen.“

SV-Schüler holten die Mädchen und Jungen des Gymnasiums aus ihren Klassen ab und brachten sie auf dem Hof in Gruppen zusammen. Zeitgleich versammelten sich die Overbergschüler. Am Treffpunkt Friedrich-Ebert-Straße angekommen, sahen die SGA-Schüler ihre Verbündeten in spe schon in der Ferne, die sich Schritt für Schritt näherten.

Wenige Minuten standen sich die Schüler dann am Bordstein gegenüber, bis die Polizei ein Zeichen gab: Die Straße ist gesperrt, der Weg frei. Simge Kütük (SV SGA) und Altan Öztürk (SV Overberg) reichten sich in der Mitte die Hände – und plötzlich waren 1150 Schüler verbunden. So blieben die Mädchen und Jungen noch einige Minuten stehen, hielten kurz inne und zeigten mit teils selbstgemalten Plakaten, worum es geht: Toleranz, Respekt, Zusammenhalt.

„Es tut nicht weh, sich die Hand zu reichen“

Auf dem Lindensportplatz verbanden sich Simge Kütük und Altan Öztürk erneut, um einige Worte an die Menge zu richten. „Der Mensch ist Mensch. Es tut nicht weh, sich die Hand zu reichen, wie heute alle gesehen haben.“ Overbergschulleiter Matthias Resch sinnierte darüber, was Rassismus eigentlich ist.

Außer Pöbeleien, Übergriffen oder Tuscheleien gehöre dazu „schweigende Duldung“. Arbeiter, die in Bangladesh unter katastrophalen Bedingungen Kleidung herstellen oder im Kongo Coltan für Smartphones – „Das ist Rassismus“, betonte Resch, „wenn wir unseren Wohlstand auf Kosten anderer Menschen ausleben“. Er forderte die Schüler auf, zu diskutieren, egal ob bei einer Party, Familienfeier oder nach einem Kinobesuch, und sich zu fragen: „Wo ist meine Verantwortung? Nehme ich nicht auch Rassismus in Kauf?“

Thiemann appellierte an die Schüler, das an diesem Tag gesetzte Zeichen in den Alltag hineinzutragen. Vor dem Hintergrund des Attentats in Neuseeland sei das wichtiger denn je. „Morgen werden wir eine Schweigeminute für die Opfer machen“, kündigte er an und erntete lautstarken Applaus.

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