Mentz: „Ein guter Tag für Ahlen“
 Die höchste Zustimmungsrate für den Rathausneubau gab es in Dolberg, die niedrigste im Bezirk 2 (Tombrock-Haus).
Die höchste Zustimmungsrate für den Rathausneubau gab es in Dolberg, die niedrigste im Bezirk 2 (Tombrock-Haus).
Die höchste Zustimmungsrate für den Rathausneubau gab es in Dolberg, die niedrigste im Bezirk 2 (Tombrock-Haus).

„Die Belegschaft hat aufgeatmet“, fasst Jörg Adomat die Stimmungslage im Rathaus zusammen, die sich nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids zur Beibehaltung des Ratsbeschlusses zum Neubau von Stadthaus und Bürgerforum eingestellt hat. Der Personalratsvorsitzende berichtet im Redaktionsgespräch von „durchweg positiven Rückmeldungen“.

Adomat selbst ist froh, wie die Mehrheit der Ahlener abgestimmt hat und „dass die Mitarbeiter nun die Arbeitsplätze bekommen, die sie verdienen“. Damit ende auch ein rund elfjähriger Stillstand in der „Rathausfrage“, der die Belegschaft arg belastet habe. Dem Argument der Sanierungsbefürworter, dass beim Neubau eine große Zahl von Parkplätzen für längere Zeit wegfiele, hält er entgegen: „Wenn ein Baufeld bestellt wird, ist das unumgänglich, auch bei einer Sanierung.“

Der ehemalige Stadtbaurat Andreas Mentz kehrte, eine Woche nach seinem Ausscheiden in Ahlen, am Sonntagabend noch einmal an seine langjährige Wirkungsstätte zurück und verfolgte im Ratssaal dezent aus dem Hintergrund die Auszählung, „als Privatmann“, wie er betonte. Ein kurzes Statement gab Mentz, emotional merklich bewegt, dennoch ab: „Das ist ein guter Tag für Ahlen.“ Der Ausgang des Bürgerentscheids, den er zuletzt nicht mehr so erwartet habe – „Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl.“ – sei eine klare Entscheidungsgrundlage für die Umsetzung des Ratsbeschlusses zum Neubau von Rathaus und Stadthalle. Dieses Projekt sei eine „große Aufgabe“, biete aber zugleich eine „tolle Chance“, um „die Mitte der Stadt auf Zukunft zu programmieren“.

Stadthallen-Chef Andreas Bockholt sagt, „als Ahlener Bürger“ freue er sich über die hohe Beteiligung an der Abstimmung. Das mehrheitliche Votum pro Neubau habe so eine breite demokratische Basis. Als Geschäftsführer der Stadthallen GmbH freue er sich über die ersten Ergebnisse der Markt- und Potenzialanalyse, die das Stuttgarter Beratungsunternehmen PAN GEO vor einer Woche vorgestellt habe. Daraus lese er: „Unsere Kunden und Besucher halten die Stadthalle für unverzichtbar und zu unserer Stadt dazu gehörig. Ein klares Signal und eine große Motivation für uns, auch weiterhin die Menschen hier vor Ort in Ahlen zusammen zu bringen – ganz gleich in welchen Veranstaltungsformaten.“ Nach dem Bürgerentscheid, so Bockholt weiter, gelte es nun, „das richtige räumliche, bedarfsgerechte und zu unserer Stadt passende Konzept für das Stadthaus und aus meiner Sicht natürlich insbesondere für das neu zu entwickelnde Bürgerforum zu finden und dann in nicht zu weiter Ferne zu realisieren.“

Markus Link, der zusammen mit Volker Putze hinter der Initiative „Pro Rathaus-Neubau“ steht, meldet sich am Montagnachmittag von der Arbeit in einer kurzen Pause. „Der Alltag ist wieder eingekehrt, der Druck ist weg“, zeigt er sich erleichtert und „positiv überrascht“ vom Ausgang des Bürgerentscheids. Er freue sich, „dass wir vielleicht einen Teil dazu beigetragen haben“. Sein Dank gelte allen, „die sachlich mitdiskutiert, unsere Beiträge geliked und geteilt haben“. Das habe Putze und ihn darin bestärkt weiterzumachen, trotz mancher übler Anfeindungen. „Die Bürger haben entschieden“, so Link, jetzt sei es an den Politikern, „sich zusammenzuraufen und gute Lösungen zu finden, vor allem auch für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung“. Und das will er unbedingt auch noch loswerden: „Ich wünsche den Geschäftsleuten in der Innenstadt, dass ihre Schwarzmalerei nicht eintrifft.“

SPD-Bürgermeisterkandidat Hermann Huerkamp lobt am Tag danach die hohe Wahlbeteiligung. „Es war richtig, dass es überhaupt einen solchen Bürgerentscheid gegeben hat. Bei einer Entscheidung dieser Dimension, nicht nur kostenmäßig, müssen die Bürger einfach eingebunden werden.“ Er hoffe, dass die Planungen schnell umgesetzt werden, um allen Beteiligten weitere Jahre des Wartens und der Unannehmlichkeiten so gut es geht zu ersparen.

Altbürgermeister Herbert Faust hat ein besonders enges Verhältnis zu dem Gebäude, das die Mehrheit der Ahlener nun durch einen Neubau ersetzt sehen möchte. In seiner aktiven Zeit im Rat und als Stadtoberhaupt hat er von 1968/69 an die Vorplanungen des „Neuen Rathauses“ von der Standortsuche bis zum Architektenwettbewerb begleitet, 1975 die Grundsteinlegung übernommen und zwei Jahre später auch die Einweihung.

„Ich bedauere, dass die Ja-Sager am Sonntag nicht die Mehrheit hatten. Ich bedauere, dass die städtebauliche Darstellung in Zukunft erheblich geschwächt wird“, sagt er am Tag nach dem Bürgerentscheid auf Anfrage unserer Zeitung. Aber er sei auch demokratisch genug, um ein Abstimmungsergebnis ohne Groll zu respektieren.

„Es ist eine klare Aufforderung an alle Verantwortlichen, miteinander zu reden und eine echte Alternative auszuloten“, so der 92-Jährige. Er hoffe, dass bei allen Ratsmitgliedern diese Erkenntnis einsetze. Darüber hinaus sei die hohe Wahlbeteiligung positiv zu werten und ein klarer Beleg dafür, wie wichtig den Bürgern ihr Rathaus ist. „So überzeugend scharf war der Abstand zwischen Befürwortern und Gegnern am Ende nicht.“

Die Entwicklung der Stimmauszählung hat Herbert Faust nicht im Rathaus, sondern vom heimischen Rechner aus verfolgt. „Ich bin ja ein moderner Mann“, sagt er und lacht. „Eigentlich wollte ich mich ja auch politisch gar nicht mehr äußern.“

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