Musik verbindet: 300 Sänger gesucht
Bild: Detlef Peter Jotzeit
Brücken bauen mit Musik: Mindestens 300 Sänger, gerne auch mit Migrationshintergrund, wollen Chorleiter Stefan O. Schoenefeldt und Isabel Merkens für den Flashmob gewinnen.
Bild: Detlef Peter Jotzeit

Gedacht ist an einen Flashmob. Bei dem kurzen, scheinbar spontanen Auflauf treffen sich Menschen auf öffentlichen Plätzen, um zumeist ungewöhnliche Dinge zu tun – in diesem Fall singen.

Den ersten Anstoß für das Projekt hat vor einigen Wochen Isabel Merkens (39) gegeben. Im Juli hatte die OP-Krankenschwester, die in der Uniklinik Münster in der Herz-Chirurgie arbeitet, die Facebook-Gruppe „Ahlener helfen den Flüchtlingen“ mit aus der Taufe gehoben, die mittlerweile 1293 Mitglieder zählt. In diesem Forum postete die dreifache Mutter vor kurzem die Musikparodie „Wie blöd Du bist“ von Carolin Kebekus, in der diese mit Nazi-Schreihälsen und „besorgten Bürgern“ abrechnet.

„Die Resonanz war enorm“, so Merkens. Unter anderem habe Daniel Berghoff angeregt, einen Flashmob zu organisieren und die Facebook-Gruppe „Mission: Singing Ahlen“ zu gründen. Gesagt, getan. Mittlerweile zählt die neue Gruppe 155 Mitglieder.

Merkens, die selbst seit 2008 begeisterte Chorsängerin ist, nutzte ihren Draht zu dem Chorleiter Stefan O. Schoenefeldt (51), der im Kreisgebiet vier Chöre mit insgesamt 150 Sängern, davon 20 in Ahlen leitet. Spontan erklärte er sich bereit, mitzumachen. Ein erstes Treffen hat es mit acht interessierten Mitstreitern gegeben. „Mit genau dieser Zahl bin ich 1999 in Ahlen mit meinem Chor angefangen“, erinnert er sich. Vielleicht ein gutes Omen. Auf jeden Fall sei am kommenden Dienstag, 3. November, ab 19.30 Uhr im Bürgerzentrum (Büz) eine weitere Runde geplant, die für alle offen ist. „Mitmachen kann jeder, gerne auch Flüchtlinge – und alles kostenlos“, unterstreicht Schoenefeldt.

Allen Unentschlossenen macht zudem Merkens Mut: „Ich habe früher immer gedacht, ich könnte nicht singen.“ Mittlerweile sei der Chorgesang bei ihr zu einer Leidenschaft geworden, die sie nicht mehr missen wolle. „Musik braucht keine Sprache“, sagt Merkens und ist froh, dass mehrere Flüchtlinge mitsingen wollen. Ihr Traum ist es, auf dem Ahlener Advent den Flashmob durchzuführen. Dazu müssten sich aber nicht nur genügend Sänger finden, sondern auch die Stadtverwaltung und Sponsoren mitspielen.

Noch einen Schritt weiter geht Schoenefeldt: „Vielleicht kann aus dem Projekt sogar ein richtiger Chor werden.“

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