Musik wie am preußischen Königshof
Für Constanze Kästner mit der Traversflöte und Sigrun Stephan am Cembalo war es eine neue Erfahrung, weitgehend bei einem „Geisterspiel“ vor der Kamera zu musizieren.

Die Etikette war nicht königlich, die Musik, die am Samstagnachmittag die Räume des Kunstmuseums erfüllte, aber schon. Die Klänge, die auch Friedrich der Große so schätzte, waren nur einem kleinen Kreis vorbehalten, der überwiegend aus Film- und Tontechnikern und Mitarbeitern des Museums bestand.

Kulisse: Tilmann-Bilder

Eigentlich hätten Constanze Kästner und Sigrun Stephan vor einer gut besetzten Zuschauerkulisse im Oberlichtsaal vor den Bildern von Jobst Tilmann gespielt, allein Corona zeigte sich gegenüber „Concert royal“ unerbittlich. Aber ganz wollten weder Kulturgesellschaft und Kunstmuseum als Veranstalter noch die beiden Künstlerinnen auf den royalistischen Kunstgenuss verzichten. So war die Idee entstanden, das Konzert zumindest filmisch stattfinden zu lassen.

„Das war auch für mich eine neue Erfahrung“, konstatierte Flötistin Constanze Kästner anschließend. Und ihre Kollegin Sigrun Stephan am Cembalo ergänzte: „Ich spiele gern vor einem kleinem Publikum. Das Erlebnis ist noch viel intensiver.“

Der spärlich bestuhlte zum Konzertsaal umfunktionierten Oberlichtsaal glich einem Film- und Tonstudio, in dem Stefan Braunsmann am Regiepult und Sascha Winkelmann hinter der Kamera agierten. Mit dabei Georgina Mitza, die ein Praktikum bei der Firma „Media- continuo“ absolviert.

Für die Medienprofis war die Aufzeichnung des Konzerts zugleich der Einstieg in die Technik des Livestreams, der allerdings anfangs wackelte. Der Link für den Livestream war nur einem kleinen interessierten Kreis zugänglich gemacht worden.

Anders als bei einem Livekonzert kamen die an der Aufzeichnung Mitwirkenden in den Genuss der Sonate e-Moll für Flöte und basso continuo, von Friedrich dem Großen höchst selbst geschrieben. Zudem gab es zwei Sätze aus der Sonate g-Moll BWV 1020 für Flöte und obligates Cembalo von Johann Sebastian Bach. Alles war zweimal zu hören, um bei der Tonqualität auf der sicheren Seite zu sein.

Neben Johann Sebastian standen auch noch dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Carl-Heinrich Graun sowie der Flötenlehrer des Königs, Johann Joachim Quantz, und mit Johann Gottfried Müthel der letzte Schüler Johann Sebastian Bachs auf dem Programm.

Herzlicher Applaus

Auch wenn der Applaus publikumsbedingt nicht so stark ausfiel wie sonst üblich, war er doch umso herzlicher. Christoph Wessels verlieh als Geschäftsführer der Kulturgesellschaft dem Dank sichtbar Ausdruck in zwei Blumenbouquets. Nach Fertigstellung ist der Film auf der Homepage des Kunstmuseums und der Kulturgesellschaft zu sehen.

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