Neue Freunde und Entdeckerpost
Hoch hinaus geht es für Merle und Paul beim Schaukeln auf dem Gelände des „Roncalli-Hauses“.

Paul und Merle nehmen die Schaukel in Beschlag. Bei strahlendem Sonnenschein lassen sie sich in die Lüfte tragen, während Carlo, Ella und Marina Bilder malen. Die Vier- und Fünfjährigen nehmen an der Notbetreuung in der Kita „Roncalli-Haus“ teil. „Nach der überraschenden Schließung aller Kindertagesstätten am 16. März hatten wir zunächst ein Kind, dann zwischen sechs und sieben, Tendenz steigend“, berichtet Leiter Andreas Supplie. Sein Team mit 19 Erzieherinnen, davon drei Praktikanten im Anerkennungsjahr, wird ab Montag 40 Kinder in fünf Gruppen betreuen, knapp die Hälfte der sonst 90. Zur Zeit ist die Betreuung nur für berufstätige Alleinerziehende und Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, möglich. „Seit der Schließung haben wir ständig neue Regelungen und Zuweisungen bekommen“, berichtet der Kita-Leiter. Gute Noten gibt er dem Jugendamt. „Die Zusammenarbeit und der Informationsfluss für neue Regelungen der Landesregierung haben sehr gut funktioniert“, spricht er insbesondere Fachbereichsleiter André Deppe ein dickes Lob aus.

In der ersten Phase mit drei Kindern seien drei Erzieherinnen an Bord gewesen, andere zu Hause geblieben oder hätten Aufgaben übernommen, die längst fällig gewesen seien. So sei die Kita in Trägerschaft des Caritasverbandes auf Hochglanz gebracht worden, die Eltern-Frühjahrsputz-Aktion mit Erneuerung des Kieses, Auffüllen des Sandes und Streicharbeiten konnte so trotzdem mit eigenen Kräften durchgeführt werden. „Organisatorisch ist die Notbetreuung eine große Herausforderung, aber schön für die Kinder. Sie wurden aus ihren Stammgruppen in andere Gruppen vermittelt und haben so wieder neue Freunde kennen und schätzen gelernt“, zieht Andreas Supplie eine positive Bilanz. Seit 20 Jahren ist die Kita sein „zweites Zuhause“, seit vier Jahren steht er an der Spitze.

„Ich finde es schön, wenn der Regelbetrieb wieder richtig losgehen kann“, wünscht er sich ein schnelles Ende der Pandemie. „Die Kinder und Familien haben genug gelitten“, weiß er aus persönlichen Telefonaten, die ihn sehr berührt haben. Trotzdem müsse man das Virus ernst nehmen und alle erforderlichen Vorschriften und Maßnahmen einhalten. Kindern, die die Einrichtung schmerzlich vermissen, hat der Leiter einen Video-Clip und Lieder mit eigener Gitarrenbegleitung geschickt. Und die Erzieherinnen haben sich am Wochenende etwas Besonderes einfallen lassen: In einer Plastikwanne haben sie für jedes Kind jeder Gruppe eine Entdecker-Post hinterlassen. Die Überraschung kam bei Eltern und ihren Jüngsten sehr gut an.

In vier Stufen möchte NRW-Familienminister Joachim Stamp die Kitas wieder öffnen. Ab dem 14. Mai werden Kinder mit besonderem Förderbedarf und Behinderte die Einrichtungen wieder besuchen dürfen, auch Vorschulkinder aus Hartz-IV-Familien sind willkommen. Zu ihren Tagesmüttern und -vätern dürfen alle Kinder ab zwei Jahren zurückkehren. Privat organisierte Betreuung mit bis zu fünf Kindern wird erlaubt.

Ab dem 28. Mai darf der letzte Kita-Jahrgang vor der Einschulung zurückkehren. Alle, die jetzt schon einen Anspruch auf Notbetreuung hatten, dürfen ihn weiterhin nutzen.

Ab dem 10. Juni sollen alle Kita-Kinder bis zum Beginn der Sommerferien am 29. Juni wenigstens noch an zwei Tagen Gelegenheit bekommen, ihre Erzieher und Freunde zu sehen.

Nach den Sommerferien soll es ab September wieder einen eingeschränkten Regelbetrieb für alle geben. Das hängt aber davon ab, wie sich die Zahl der Infektionen entwickelt.

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