Opfer der Hexenverfolgung rehabilitieren
In Ahlen sind im 16. und 17 Jahrhundert rund 20 Menschen als angebliche Hexen und Zauberer verfolgt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.  Sie sollen rehabilitiert werden. Das Bild zeigt eine Hexenverbrennung zu Dernburg im Jahre 1555 auf einem zeitgenössischer Stich. 

Heinz Aden, Pfarrer i. R., als Vertreter eines Arbeitskreises der katholischen und evangelischen Kirche in Ahlen, stellte diese vorläufige Planung in der Sitzung des Ausschusses für Ordnung, öffentliche Einrichtungen und Anregungen am Dienstag vor. Vom 5. bis 30. November 2018 solle eine Ausstellung zur Hexenverfolgung gezeigt werden. Der Buß- und Bettag am 22. November sei der richtige Tag, um Buße zu tun und um Vergebung zu bitten für das Unrecht, das vor hunderten von Jahren Ahlener Bürger Mitbürgern angetan hätten.

Zuvor hatten Hartmut Hegeler, Pfarrer i. R. aus Unna, und Katharina Leendertse ausführlich den Bürgerantrag zur Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse in Ahlen (das „AT“ berichtete) begründet. Dieser sieht vor, die in der Zeit der Hexen- und Zaubererverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert gequälten und ermordeten Menschen zu rehabilitieren. Dies sei ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung, der den damals Getöteten im Namen der Menschenrechte ihre Ehre zurückgebe. Wenngleich die Stadt Ahlen nicht Rechtsnachfolgerin der damals politisch und kirchlich Verantwortlichen sei, so bestehe dennoch eine ethische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien, heißt es in dem Beschlussvorschlag.

Hegeler machte deutlich, dass es Parallelen der Vergangenheit mit heute gebe: „Es werden Sündenböcke gesucht, Feindbilder aufgebaut, Menschen verteufelt.“ Auch heute gebe noch es in Südamerika oder Afrika die Verfolgung von Frauen als vermeintliche Hexen. In Ahlen sei rund 20 Personen im 16. und 17. Jahrhundert dieses Unrecht widerfahren, erklärte Hegeler. Er wies darauf hin, dass die damals gesprochenen Urteile noch immer Bestand hätten. Deshalb sei es wichtig, mit dem symbolischen Akt des Ratsbeschlusses diese Menschen aus Ahlen zu rehabilitieren.

FWG lehnt die Vorlage ab

Die große Mehrheit der Ausschussmitglieder hat sich am Dienstag für einen Beschluss zur Rehabilitierung ausgesprochen. Bernd Meiwes (SPD) nannte die ethische Verpflichtung, die man für sich erkenne. Ralf Marciniak stimmte für die CDU zu, auch wenn der Stadtrat damals ganz anders als heute sei. Und Dieter Bröer (Bündnis 90/Die Grünen) regte ein Gedenken nicht nur durch einen Ratsbeschluss, sondern dauerhaft an beispielsweise durch eine Gedenktafel oder Straßenbenennungen nach den Opfern. Abgelehnt wurde die Vorlage von der Freien Wählergemeinschaft (FWG). Sinnvoller und richtiger als ein Beschluss der politischen Gremien sei der von Pfarrer Aden skizzierte Weg einer Veranstaltungsreihe, erklärte Bernd Avermiddig. Auch der Hinweis von Stefan Bagert vom Arbeitskreis, dass es nicht nur um ein Erinnern gehe, sondern ähnliche Mechanismen in heutiger Zeit aufzuzeigen, stimmte den FWG-Mann nicht um.

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